Das Schönste, was es gibt auf der Welt
Irgendwann am Eröffnungsabend sagte der neue Intendant, er wolle «kein hippes Theater» machen. Mit Blick auf das Mitte-Völkchen aus Kunst, Politik und Journaille, das sich währenddessen im lichtergeschmückten Garten des Maxim Gorki Theaters tummelte, zwischen zehn Premieren an sechs Spielorten hin- und herschwirrte und sich pudelwohl zu fühlen schien, klang das ziemlich kokett. Zwei Wochen und neun selbstbesichtigte Inszenierungen später scheint jedoch gewiss: Der Mann meint es ernst.
Armin Petras, 1964 geboren im Westen und sozialisiert im Osten, erprobter Autor, Regisseur, vertraut mit Provinztheatern wie Großstadtbühnen, zuletzt Oberspielleiter und Schmidtstraßenchef (Frankfurt/Main) will nichts weiter und weniger, als Berlin mit einem «Stadttheater» zu erobern.
Inmitten der hauptstädtischen Ensemblebühnen, die ihre Profile mit autokratischen Intendanten, großspurigen Manifesten oder möglichst marktwertvollen Regisseuren schärfen, ist die Devise «Stadttheater» eine drollige Ansage – auch wenn darin bereits die ehemaligen Gorki-Intendanten Bernd Wilms und Volker Hesse die wahre Bestimmung des Hauses erkannten. Anders als seine Vorgänger gilt der stadttheatergestählte Petras ...
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Es geht los mit einer Diashow (Kinderurlaubsbilder an der Ostsee) über einem Plateau von etlichen Tischen mit Tischdecken von vor dreißig Jahren, entsprechende Musik dazu. Doch der Retro-Dreh (Ausstattung Tom Musch) hat seinen Haken. Nie weiß man in dieser Inszenierung, wo sie zeitlich verortet ist und wessen Erinnerungsimagination hier auf dem Spiel steht. «Hafen...
Warum hassen wir die Juden?»
Der junge, schlaksige Mann mit dem rasierten Kopf und dem grauen Anzug schaut prüfend seinem Publikum ins Auge. Die Pause ist gut gesetzt. Didaktisch wohltemperiert und im absurden Zirkelschluss führt er aus: Nicht weil die Juden die Banken kontrollieren und den besten Sex haben, hassen wir sie, sondern «weil es ein kulturelles Axiom...
Zehn Jahre zuhause herumsitzen und auf den Mann warten, ist kein Vergnügen. Vor allem, wenn der gerade damit beschäftigt ist, fremde Städte zu plündern, und mit kriegsgefangenen Fürstentöchtern herummacht. Obendrein auf dem Weg dorthin die eigene Tochter aufgeschlitzt hat, damit der Fahrtwind wieder an Schwung gewinnt. Constanze Beckers Klytaimnestra hockt...
