Wo herrscht der Konsens
TH Das Theater lebt von Konflikten. Dabei wird leicht übersehen, dass Konflikte nicht nur trennen, sondern auch verbinden: Man ist sich zumindest über das Problem einig. Wir wollen aber einen Schritt weitergehen und ganz direkt nach Konsens fragen.
Was ist der Konsens-Kitt in unserer hoch arbeitsteiligen, funktional differenzierten Gesellschaft, was hält 80 Millionen zunehmend individualisierte Menschen zusammen, die alle ganz stolz auf ihre persönlichen Freiheiten sind?
Heinz Bude Auf den Punkt gebracht, erleben wir gerade eine große Umstellung in der Idee des Zusammenhalts unserer Gesellschaft. Wir stellen nämlich im Augenblick um von Versprechen auf Drohungen. In der langen Nachkriegszeit, die im Grunde bis zur «unerhörten Begebenheit» der deutschen Einheit ging, war die Grundidee: Wenn du deine fünf Sinne beisammen hältst, dich anstrengst und die Lebenskrisen, in die du unweigerlich gerätst, einigermaßen meisterst, dann wirst du am Ende dort landen, wo du im Nachhinein sagen wirst, dass es in Ordnung geht. Nicht, dass man unbedingt da gelandet ist, wo man hin wollte, aber es passte im Großen und Ganzen. Natürlich sind einige weggekickt, vielen ist sogar erst sehr spät ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Wo herrscht der Konsens, Seite 7
von Eva Behrendt/Franz Wille
Er trägt den Anzug, er diktiert die Regeln. Es gibt allerdings nur eine einzige, von Wladimir ständig wiederholte: «Wir warten auf Godot!» Der bekanntlich nicht kommt in Becketts schwebendem Spiel der Sinnlosigkeiten, die das Leben ausmachen, das trotzdem irgendwie gelebt werden will. Also werden sie zu «Zauberkünstlern», die «immer was finden, was uns glauben...
Volk vorbei» ihre Entscheidungen. Vielleicht erinnern sich einige ja auch an die ab Anfang Oktober 1989 allabendlich verlesene und unter den damaligen Umständen wirklich spektakulär mutige Forderung aus der Resolution des Dresdner Staatsschauspiels, «dass Lüge und Schönfärberei aus unseren Medien verschwinden» müssen, wenn sie Anfang 2015 bei Pegida «Lügenpresse»...
Nicht erst seit vor ein paar Jahren der «Nipster» durch die vermischten Nachrichten geisterte – Personen im Hipster-Outfit auf Nazi-Demos – und Neonazis als «Nationale Autonome» Methoden und Looks des «Schwarzen Blocks» imitierten, verlangt ein Phänomen nach Deutung, das in verschiedenen Formen schon seit Beginn des neuen Jahrtausends aktenkundig ist: die...
