Omnipotente Lebensretter
Die Frau in Schaftstiefeln und Seidenkleid, die etwas unbeholfen über die Ponywiese stapft, ist nicht aus dieser Gegend. Trotzdem kennt hier in der Ostprignitz jeder Dorfbewohner ihr Gesicht: Bis vor ein paar Jahren machte Bärbel Schäfer eine der erfolgreichsten Nachmittagstalkshows des deutschen Fernsehens. Nichts Irdisches war ihr und ihren Talkgästen fremd; vor allem bei den Zuschauern aus den neuen Bundesländern war die Lebenshilfe aus dem Fernsehapparat deshalb ausgesprochen beliebt. Vielleicht hat auch Michaela seinerzeit zu Bärbels Publikum gehört.
Das würde erklären, warum sich die junge Frau nun in ihrer Not nicht an eine psychotherapeutische Beratungsstelle wandte, sondern Bärbel Schäfer anvertraute – und damit einem Millionenpublikum.
Seit sich ihr alkoholabhängiger Mann vor vier Jahren im Wohnzimmersessel mit einer Schrotflinte erschossen hat, leidet Michaela unter schweren Depressionen; inzwischen ist die 33-jährige Verwaltungsangestellte dauerhaft krankgeschrieben. Seit einem Jahr hat sie ihr Hofgrundstück bei Neuruppin nicht mehr allein verlassen. Ihre beiden Kinder müssen von den Großeltern zum Kindergarten gebracht werden, der romantische Fachwerkhof – einst ...
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