Die Versöhnung des Arpad Schilling
In den letzten Jahren war Arpad Schilling einer der prominentesten und heftigsten Kritiker der ungarischen Kulturpolitik. Seit er vor zwanzig Jahren das Kretakör-Theater gründete, hat er Politik und Struktur der Freien Szene in Ungarn mitgeprägt, mit wichtigen Resultaten: Nicht nur der Erfolg seiner eigenen Kompanie, auch seine persönliche Lobbyarbeit (immer zusammen mit seinem Manager Mate Gaspar) begründete bis 2010 eine gewisse Stabilität der Freien Szene. Die ist seitdem allerdings schwer ins Wanken geraten. Die Freie Szene gerät immer wieder unter Beschuss.
Schilling gehörte zu den wenigen, die Widerstand leisteten und ihre Stimme erhoben – zuweilen sehr radikal und ohne Furcht vor Konsequenzen. Im Frühjahr 2014 zog er den endgültigen Schlussstrich: Nachdem das Ministerium ohne jede Begründung seiner Organisation die Subventionen gestrichen hatte, drehte er ein Video, in dem er vor laufender Kamera seinen Vertrag mit dem Ministerium zerriss und ankündigte, keinerlei öffentliche Förderung in Ungarn mehr zu akzeptieren. Das Video, aufgenommen vor der Fassade des Kulturministeriums, breitete sich auf Facebook in Windeseile aus.
Als Künstler allerdings fiel es Schilling in den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2015
Rubrik: Ausland, Seite 52
von Andrea Tompa
«Liquidation», erschienen 2003, der letzte der großen Romane von Imre Kertész, auch wenn er in der Buchausgabe nur 142 Seiten umfasst, enthält Teile eines Theaterstücks. Dieses Stück ist die wichtigste Hinterlassenschaft von B., einem «Schriftgelehrten», wie es einmal heißt, der sich im Jahr 1999 in Budapest das Leben genommen hat. Eigentlich aber ist das Stück...
Am 25. August wurden König Ludwig I. (1786) und Ludwig II. (1845) geboren – und Jürgen Rose: 1937. Der erste baute die Stadt München zur Metropole aus mit Oper, Uni, Pinakothek; der zweite ließ Schlösser für Träume errichten. Der dritte baute traumhafte Kulissen und fantastische Dekors in den Theatern der Welt.
Roses Vorfahren, von Mutters wie von Vaters Seite,...
1 Heiner Müllers Stücke werden gegenwärtig wenig gespielt – trotz ihrer unbestreitbaren poetisch-sprachlichen Kraft, trotz ihres großen historischen Atems, den man bei kaum einem anderen neueren Autor findet, trotz der Brillanz seiner messerscharfen Formulierungen. Sie erleiden das Schicksal der ganz aktuellen Zeitung von gestern, die stets als das Älteste...
