Heimatkunde: Waschkaue, Büdchen, Einweckglas
Unter Tage. Ein Mann allein im Dunkel. Nur das Grubenlicht am Helm leuchtet. Man hört seinen schweren Atem. Der Presslufthammer bohrt ins Gestein. Bald wird jede Menge Kohle abgesprengt sein.
Schnitt: Ein Junge kramt im Badezimmerschränkchen zwischen Lux-Seife und Echt Kölnisch Wasser. Er trägt eine kurze Lederhose mit Edelweiß-Emblem. Es ist Sommer. Draußen hängt eine Frau mit Schürze Wäsche auf die Leine – nicht fern vom Förderturm. Der Film wechselt von Farbe zu Schwarzweiß, wie wir es etwa von Edgar Reitz’ «Heimat»-Chronik kennen.
Es qualmt aus den Schloten der Kokerei, brennt feuerrot im Stahlwerk, bewölkt den Himmel über Ruhr und Emscher. Die Kumpel fahren hoch von der Schicht. Milch und Kohle – Weiß und Schwarz: Die Milchflasche wird angesetzt, um den Kohlenstaub runterzuspülen.
Distanz und Lakonie
Es ist alles da in dieser ersten Verfilmung eines Romans von Ralf Rothmann, «Junges Licht» aus dem Jahr 2004: die Arbeitersiedlung mit bräunlich-grau verschmutzten Fassaden, Waschkaue, Büdchen, das grüne Unterholz vor der Halde im Hintergrund, Einweckgläser im Keller, die Blechdose für die Stullen. Zu Mittag gibt es einen aufgetauten Block Spinat mit Spiegelei oder Miracoli aus der ...
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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Andreas Wilink
Wenn das Ende naht, schlagen die Emotionen hoch. Auf dem «Schiff der Träume», während am imaginären Horizont ein Panzerkreuzer der Österreicher aufzieht und – es ist 1914 – die Herausgabe serbischer Schiffsbrüchiger fordert, halten die Passagiere Trauerfeier für eine verehrte Opernsängerin: «Kyrie eleison», «Herr erbarme dich», tönt es aus einem Herzen, zu einem...
Jesko
Malte
Johannes
Konstantin
Lehrerin (Katja)
Bettina
Sandra
Beamter
Reporter
Stimmen und Körper
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Was habe ich erlebt. Weiß ich nicht. Keine Ahnung. Was habe ich erlebt? Wissen Sie, was Sie erlebt haben? Ich nicht. Ich meine das nicht im erkenntnistheoretischen, philosophischen Sinne. Ich meine das wirklich im lebensweltlichen Sinne, als Grundlage...
Zwischenrufe während einer Vorstellung können lästig sein, aber manchmal treffen sie den Kern einer Inszenierung. Der Zwischenrufer, der Hans-Werner Kroesingers Recherchestück «History Tilt» vor einigen Jahren im Berliner HAU störte (oder ergänzte), widerlegte ungewollt einige Missverständnisse zum politischen Dokumentartheater im Allgemeinen und zu Kroesingers...
