Hollywood im Hunnenreich
Vor dem eisernen Vorhang andächtig aufgereiht, eröffnen die Burgunder den Abend mit einer eingängigen Melodie. Ohrwurmhaft kehrt der Beginn des mittelalterlichen Nibelungenliedes wieder und wieder: «si wart ein scœne wîp». Bei der Kriemhild nimmt die Bochumer Inszenierung ihren Ausgang. Mit expressiver Körperlichkeit löst sich Jana Schulz alsbald aus der Gruppe und eilt die kolossale Rampe hinauf, die den Zuschauerraum in zwei Hälften teilt.
Von hier oben schleudert sie die einleitenden Worte des mittelalterlichen Epos, diesmal auf Hochdeutsch, zurück auf die Bühne, als wären der Beschreibung des «jungen Edelfräuleins» schon all die tragischen Ereignisse eingeschrieben, um die der letzte Teil der Hebbelschen Trilogie kreist.
Es ist gleich zu Beginn eine trauernde Kriemhild, buchstäblich in Sack und Asche: Verdreckt, in Lumpen und mit der Urne des ermordeten Siegfried im Arm, sucht sie den Ausweg aus der unliebsamen Heimat. Nur die Hochzeit mit Hunnenkönig Etzel (Matthias Redlhammer) ermöglicht ihr die Flucht: Sobald der eiserne Vorhang den Blick auf Etzels klassisch-düstere Empfangshalle freigibt, betritt Schulz sie als erste und wäscht ihrer Kriemhild mit bereitstehendem Wasser ...
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Theater heute November 2013
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Laura Strack
Als Regisseur verkörperte er die seltene Dreieinigkeit: Schauspiel, Oper und Film, und er war liebend gern auch Schauspieler. Er erlaubte sich – mit angelsächsischer Unbefangenheit und preußischer Disziplin –, einfach Künstler zu sein.
Er begann, noch als Wunderkind, zu inszenieren, mit 15 am Pariser Elite-Gymnasium Louis Le Grand. Mit 22 leitete er ein eigenes...
«In den hübschen villages
mit den gesunden inhabitants
in ihren schönen houses
sind sie alle happy.
Und erst recht am Zürisee,
da herrscht prosperity,
kaum Soldaten on the streets
nur hübsche ladies.»
So unwirklich gesund, schön und happy, wie Woyzeck-Kumpel Andres in Stefan Puchers Büchner-Inszenierung im Zürcher Schiffbau die Stadt bedenglisht, in der sein Schöpfer...
Jede noch so verschmockte Theaterperformance muss »interaktiv« sein, muss ihre Zuschauer zu Akteuren machen, muss die Bedingungen ihrer Produktion und ihren Realitätsstatus reflektieren. Überhaupt wird im Theater – die analogste und deshalb gemäß der paradoxen postmodernen Vernunft zugleich konservativste und politischste Kunstform – wenig dem Zufall überlassen....
