Lola, liebe Lola
Du bist gestorben, aber als Energie bist du da, als geistige Kraft, und die Erinnerungen an dich sind in meinem Kopf gespeichert, Bilder, dein Lachen, deine Neugier, deine Direktheit, aber auch deine ablehnende Scheu, wenn Grenzen, die du gesetzt hattest, verletzt wurden; dein Interesse, das du für mich hattest, die Wahltochter, wie du mich bisweilen nanntest; vor allem aber erinnere ich mich an deine unausrottbare Liebe zum Theater, da mochte der Zeitgeist banale Schwankungen hervorrufen, das war dir egal, du bliebst verfangen, hattest eine amour fou fürs Leben, und der bliebst du treu.
Zwei Theaterseelen wohnten in deiner Brust, die eine diente der leichtfüßigen Schau–spielkunst mit dem Lied auf der Lippe, so spieltest und sangst du «Hello, Dolly», «Kiss me Kate», «Feuerwerk», gefährlich schön, verführerisch, verspielt; die andere schleppte sich ab am Material, aus dem die Tragödien gemacht sind, du warst «Medea», «Penthesilea», «Klytaimnestra», verführt, gefährdet, gefährlich.
Als Klytaimnestra bin ich dir begegnet, ich, Elektra, Vatertochter, die den Muttermord konzipiert und dem kleinem Bruder das Beil in die Hand drückt. Da kamst du an, geschmückt, weiß-gold glänzend, gekrönt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2012
Rubrik: Magazin: Nachruf, Seite 63
von Elisabeth Trissenaar
Per Geburtsdatum sind Anja Hilling, 1975 im Emsland geboren, und Oliver Kluck, 1980 auf Rügen, Fachleute für die Generation der Anfang- bis Mitt-30er, so genannte «Generationenporträts» sind ihre Spezialität. An denen herrscht zur Zeit auch am Büchermarkt kein Mangel: «Wir haben (keine) Angst» nennt Nina Pauer ihr Buch, in dem sie ihre Alterskohorte auf die Couch...
In einem halbseidenen Tallinner Nachtclub kommt Estland also ganz zu sich: Alkohol schwängert die Luft und Koks penetriert die Hirne. Beats brummen. Ein Este kracht dem britischen Inspektor Ignatius Stone vor die Stirn: «Die Pest hat uns gefickt. Die Hungersnot hat uns gefickt. Die Schweden haben uns gefickt. Die Deutschen haben uns gefickt. Die Russen haben uns...
Welches Bild soll es sein? Welche optisch-szenischen Übersetzungen will das Theater finden für die Texte, von und mit denen es lebt? Gestaltet es die Welten für die Bühne bloß routiniert – oder setzt es auf Behauptungen, die den Inszenierungen Orientierung geben? Wann und wo beginnt die Handschrift der Bühne; für jeden Bühnenbildner, jede Bühnenbildnerin – und für...
