Haltestelle Dreiunglücksweg
Wir Deutschen lieben die Buddenbrooks. Angeblich sei es unser tollster Roman, haben irgendwelche Demoskopen berechnet. Dabei geht es in diesem Buch doch neben der langatmigen Beschreibung von Backenbärten, Tapeten, Vatermördern, Salons, Überziehern, Händen und Büffets im Kern um das Versagen der materialistischen Denkungsart, also um das Scheitern unseres kapitalistischen Systems.
Denn erzählt dieser Roman nicht sehr präzise, wie das Streben nach Wohlstand die Menschen so deformiert, dass sie aus emotionaler Unfähigkeit schließlich auch ökonomisch scheitern? Und das soll des Deutschen Lieblingsbuch sein, bei nur 0,9 Prozent Wachstum und dauerndem Gejammer?
Und dass man den Schinken von 1901 jetzt wieder hervorholt und fürs Theater adaptiert, gerade als der Mittelstand und die Familienunternehmen in schöner Eintracht zwischen Regierung, Wirtschaftsblättern und Globalisierungsgegnern zu den Lichtgestalten des Kapitalismus gegen die Hedge-Fonds-Heuschrecken erkoren wurden, ist auch nicht fair. Die letzte Hoffnung eines humanen Wirtschaftshandelns, die verantwortlich tätige Unternehmerpersönlichkeit, darf gerade jetzt nicht als aussichtsloses Modell demaskiert werden, wie Thomas Mann ...
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Ein Dokumentarfilm über vier Filmschauspielerinnen. Recht junge Schauspielerinnen. Keine über 35. Und auch wenn sie schon allerhand gedreht haben, ist da natürlich kein so genanntes Oeuvre und kann es also nicht um das Was und Wie gehen, um Spiel und Stil. Statt dessen interessiert, ja tatsächlich, die Haltung. Die aber auch kein Warum ist, sondern eher eine...
Er ist überliefert, der Stoßseufzer eines hilfsbereiten Beraters aus westlichen Gefilden, eingereist ins Thüringische: «Was für ein Land – auf jedem Berg ’ne Burg, in jedem Tal ein Museum und in jeder Stadt ein Theater!» In der Tat, das mit seinen rund 16.000 Quadratkilometern und noch rund zwei Millionen Einwohnern kleinste Bundesland, gern «das grüne Herz...
Verstaubt? Abgenutzt? Klassisch, also wirkungslos? Mitnichten. Edward Albees Drama zum Geschlechterkrieg, 43 Jahre alt, präsentiert sich in Karin Henkels Düsseldorfer Inszenierung vital wie ein junger Hüpfer, urkomisch, bizarr, grausam, provokant. Gut zweieinhalb Stunden Kampftheater, Pointenschlacht, Nervenkrieg, Seelen-Casting. Ein weiteres Highlight im letzten...
