Gepflegter Nazi-Chic
Wenn einer einen anderen erschießt, kann das quälend lange dauern. Vor allem dann, wenn der Erschossene von derselben Person gespielt wird wie der Mörder. Immer wieder tauscht Schauspieler Meinolf Steiner sein blaues Sakko gegen den Smoking nebst Fliege aus, spricht zwei Sätze, und die Umziehorgie beginnt von vorne. Bis zum finalen Abdrücken und zu Boden Sinken des Opfers. Minutenlang dauert der Mord – an sich selbst.
Denn mit dem Tod des Firmenpatriarchen Joachim von Essenbeck beginnt mitnichten eine neue Zeit.
Enkel Martin ist nur ein Wiedergänger im ewigen Kampf um die Spitze und im Bemühen, sich ganz oben zu halten – bis zum nächsten Mord. Es sind immer dieselben Persönlichkeiten in einem ewig gleichen Spiel – die Aussage, die die niederländische Theatergruppe ZT Hollandia mit einer Reihe von Doppelbesetzungen in ihre Bühnenfassung des Visconti-Films «Die Verdammten» eingewoben hat, ist so einleuchtend wie banal.
Und führt, im Gegensatz zu Viscontis melodramatischer Transformation der Geschichte vom Aufstieg des Nationalsozialismus, zu einer kritischen Distanz beim Publikum, die immer wieder in Verwirrung umschlägt. Man steigt einfach zwischen andauernden Kostümwechseln nicht ...
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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Alexander Kohlmann
2./Freitag
20.15, arte: Die Spiegel-Affäre
Fernsehfilm (2013) von Johannes W. Betz, Gabriela Sperl und Stefan Aust,
mit Sebastian Rudolph, David Rott, Johann von Bülow, Max Hopp u.a., Regie Roland Suso Richter (am 7. Mai bei der ARD)
3./Samstag
20.15, 3sat: Starke Stücke beim Berliner Theatertreffen: Zement von Heiner
Müller, mit Valery Tscheplanowa, Sebastian...
TH Herr Reichel, Herr Carp – Sie kommen beide von Theatern, die vor drei Jahren zum Theatertreffen eingeladen waren. Was hat die Jury denn dieses Jahr in Schwerin und Oberhausen übersehen?
Peter Carp Wir waren leider etwas zu spät mit dem australischen Regisseur Simon Stone und dessen spannender «Orestie». Stone haben wir als erstes europäisches Haus produziert....
Über Russlands Kunst ist Grauenvolles hereingebrochen – die Regierung hat 2014 zum «Jahr der Kultur» erklärt. Noch Schrecklicheres widerfährt gerade dem russischen Theater: Die «Vertikale der Macht» beginnt, Interesse an ihm zu entwickeln sowie – Herr im Himmel, ist es ein Traum? – das Staatsfernsehen. Vor kurzem noch regierte im Theater politische und ästhetische...
