Die neue Hauptsache
Jeder Juror des Berliner Theatertreffens ist eigentlich eine tragische Figur. Denn immer macht er oder sie viel mehr Menschen unglücklich als glücklich: enttäuschte Künstler, zornige Lokalpatrioten, die nicht verstehen, warum ihr Theater wieder nicht eingeladen wurde, Kollegen und Kommentarspaltenschreiber, die sich die Haare über die Auswahl raufen. Jedes Jahr produziert die Bekanntgabe von zehn Inszenierungen tausende Male das Gefühl, das Ergebnis sei doch ungerecht. Und dem kann niemand ernsthaft widersprechen.
Es ist nicht gerecht, dass fast immer die großen und reichen Häuser unter sich bleiben. Es ist nicht gerecht, wenn zu einer außergewöhnlichen kleinen Produktion in einem mittleren Stadttheater nur ein Juror des Gremiums anreist. Und alles andere ist auch nicht gerecht. Weil es nicht gerecht sein kann. Vermutlich nicht einmal fair, selbst wenn jeder der sieben Jurorinnen und Juroren sich garantiert aufs Gewissenhafteste darum bemüht, sich die Hacken abreist und mit größter Energie und Kompromissbereitschaft für eine wirklich überzeugende Auswahl kämpft, mit der sich die interessantesten Impulse des deutschsprachigen Gegenwartstheaters abbilden lassen.
Alle wollen es so
Dies ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Theatertreffen Berlin, Seite 34
von Till Briegleb
Zunächst einmal konnte sich der Gesprächsgegenstand ordentlich auf die Schulter klopfen: Kaum ein Zuschauer, der zur Diskussionsveranstaltung «Die Publikumsmaschine» in der Berliner Akademie der Künste am Hanseatenweg erschienen war, dürfte sich je ein derart spektakuläres Bild von sich selbst gemacht haben, wie es – befragt von der Radiomoderatorin Anja Caspary –...
Irgendetwas stimmt nicht. Den Eindruck gewinnt man schnell bei Inszenierungen von Susanne Kennedy. Herauszufinden, woran das liegt, ist dagegen nicht so einfach. Doch genau dadurch entsteht der seltsame Sog dieser Arbeiten, mit denen die deutsche Regisseurin mit englischem Namen und Studium an der Amsterdamer Hogeschool voor de Kunsten seit einigen Jahren das...
Nein, dieser Weg ist nicht das Ziel. Eher das Gegenteil, ein zugiger Durchgangsort, an dem jeder, der hier gestrandet ist, so schnell wie möglich weiter will. Man kann das als handfeste Gesellschaftskritik zum Thema Flüchtlingspolitik verstehen oder auch eher poetisch-prinzipiell. «Camino Real», so der Titel von Tennessee Williams’ surrealer Szenenfolge, ist der...
