Klein-Adolf oder Zur Rolle der staatlichen Dienste
Als Autor und Regisseur habe ich das Privileg, für meine Arbeiten viele Monate, manchmal sogar Jahre zu recherchieren. Ich arbeite mich an verschiedenen Punkten gesellschaftlicher Erfahrungssedimente ab. Es handelt sich bei diesen Arbeiten um den Versuch einer Tiefenbohrung, bei der ich die Treibsätze von bestimmten Ereignissen, ihre historischen, privaten und öffentlichen Bedingtheiten freilegen möchte. Heute möchte ich Sie zu einer Reise in diese Bohrzone einladen, sie führt nach Zwickau – zu den Wurzeln rechtsextremistischer Gewalt und der Rolle der staatlichen Dienste.
Doch zunächst zu den Fakten: Die drei Mitglieder der Zwickauer Zelle sind dem Thüringer Verfassungsschutz bereits seit Mitte der 90er Jahre bekannt. Ins Zentrum der operativen Maßnahmen rückten Mundlos und seine Mitstreiter mit ihrem Engagement im Thüringer Heimatschutz. Das hat einen naheliegenden Grund: Tino Brandt, der Gründer des extremistischen Verbandes, hat als V-Mann Informationen über das Trio an das Amt weitergegeben.
Tino Brandt beginnt 1997, den Thüringer Heimatschutz mit Mitteln des Landesamtes für Verfassungsschutz aufzubauen, mehr als 200.000 DM will er in diesen Jahren an Zuwendungen des Amtes ...
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Theater heute April 2012
Rubrik: Essay, Seite 36
von Andres Veiel
Die Sonne scheint. Das Alpenpanorama leuchtet, freudig läuft der Hund vorneweg, wackelig auf wenig bergtauglichen Schuhen folgt ihm die Frau. Und dann ist da plötzlich – nichts. Ein Nichts, das ein Ende ist. Es geht nicht weiter, obwohl die sich hinabschlängelnde Straße ins Weite zu führen scheint. Denn da ist die unsichtbare «Wand».
In Julian Pölslers...
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Man kann sich jederzeit in Wien seine ganz persönliche theatralische Begegnung mit Arthur Schnitzler erlaufen. Man nehme das gelbe Reclam-Heft mit dem «Lieutnant Gustl» in die Hand und gehe los: vom Musikverein über den Ring und die Aspernbrücke hinein in die Leopoldstadt bis zur Hauptallee des Praters; dort setze man sich erholungshalber für eine Weile auf eine...
