Geschichten, die man kleinen Mädchen

Roland Schimmelpfennigs «Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes»

Theater heute - Logo

Auf einem niedrigen Tisch liegt eine Plastikpuppe der Marke «Peggy Pickit», die als Geschenk für ein afrikanisches Kind gedacht ist. Außerdem eine aus Afrika stammende, kleine, handgeschnitzte Holzpuppe, die ein Kind der westlichen Welt bekommen soll. Die beiden Mädchen, für die sie gedacht sind, werden die Puppen wahrscheinlich nie bekommen. Das afrikanische nicht, weil es vielleicht schon gar nicht mehr lebt, das andere nicht, weil die Holzpuppe Träger von Geschichten ist, die man kleinen Mädchen gerne ersparen möchte.



Es ist so eine Sache mit diesen zwei Welten – der so genannten «Ersten» und «Dritten». Wie umgehen mit der Ungleichheit, der Verantwortung, der Schuld? Von Kindheit an konfrontiert mit Filmen aus der Sahelzone, mit Bildern verhungernder Kinder, mit Spendenaufrufen der Böhms und Geldofs, bemühte unsere Generation ihre Konten und fühlte sich danach eventuell ein wenig besser. Auch in «Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes» geht es um Spenden und um die schon etwas seltener vorkommende Vororthilfe. Formen von Hilfe, die heute nicht mehr angebracht scheinen, da Afrika selbst sich zunehmend gegen Bevormundung, Stigmatisierung, ja sogar Mitleid wehrt und stattdessen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 195
von Sonja Anders

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Er ist mein Vater»

Es war einmal eine Epoche, die man heute als die Aufklärung bezeichnet. Die hatte, lange bevor ihre Ära endlich anbrach, literarische Wegbereiter. Das waren eben jene
Bösewichte Shakespeares, rücksichtslose Söhne und verderbte Töchter, die sich provokativ gegen Denkverbote auflehnten und so die herrschende Weltordnung nicht nur in Frage stellten, sondern kurzerhand...

«Eine aufregende Zeit, um für das Theater zu schreiben»

Franz WilleWie sind Sie auf die Idee für den «Gol­denen Drachen» gekommen?

Roland SchimmelpfennigAuslöser für das Stück waren zwei Begegnungen: Die eine morgens um neun zufällig auf der Straße mit einem Rechtsanwalt aus dem Freundeskreis, der mich darauf ansprach, ob ich mir nicht vorstellen könnte, etwas über illegale Einwanderer in Deutschland zu schreiben – wobei...

Eine Reise zu den Wurzeln

Ausgerechnet in der Nacht, in der Wilfried den besten Sex seines Lebens hat, erfährt er vom Tod seines Vaters. Ein Vater, den er kaum gekannt hat. Da dem Toten die Familiengruft von der Verwandtschaft mütterlicherseits verweigert wird, muss Wilfried eine Odyssee in das vergessene und vom Krieg verwüstete Heimatland seines Vaters beginnen, um ihn zu begraben.

Was...