Neue Stücke · Aufführungen (11/2018)
Neue Stücke
Die Wechselfälle des Todes faszinieren Dramatiker im November. In Clemens Setz’ «Die Abweichungen» wird die Putzhilfe Frau Jassem tot in ihrer Besenkammer gefunden, Selbstmord. Hätte sie sich nicht umgebracht, wäre sie aber auch nicht die Künstlerin geworden, als die sie nach ihrem Ableben und hoffentlich auch am Schauspiel Stuttgart entdeckt wird. In «Tot sind wir nicht» von Svenja Viola Bungarten – UA in Münster – wollen es zwei alte Damen noch mal wissen und auf große Reise gehen.
Vorher muss nur Ehemann Willi kostengünstig bestattet werden. Zu Basel wird Joel Laszlos «Die Verschwörerin», eine Toxikologin, die über die Geschichte von Giftgas forscht, plötzlich mit dessen Gegenwart konfrontiert. In Frankfurt am Main wiederum trifft durch die Wechselfälle des Lebens in Lutz Hübners und Sarah Nemitz’ «Furor» ein liberaler Ministerialdirigent auf einen jungen Rechten voller Wut und Ressentiment. Was Nationalität und Nationalismus bedeuten, hat Chris Thorpe in vielen Gesprächen mit Menschen aus der ganzen Welt erforscht und in «Status» gebündelt, DEA in Mainz. Nora Abdel-Maksoud will am Berliner Gorki Theater endlich auch das Sequel für einen Erfolgsfilm schreiben, und ...
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Theater heute November 2018
Rubrik: Daten, Seite 62
von Red.
Ein feister Hedonist und ein räudiger Asket – nur selten gewinnen gesellschaftspolitische Positionen eine solch fleischliche Plastizität wie in diesem Stück, das in einer Irrenanstalt spielt und von der Französischen Revolution bereits in der Vergangenheitsform spricht, obwohl ihre Helden darin noch selbst um das eigene Erbe streiten. Als Peter Weiss Anfang der...
Blut ist eine hartnäckige Flüssigkeit. Es klebt an Körpern und Kleidern, macht zuverlässig ein schlechtes Gewissen und will, einmal vergossen, einfach nicht aus der Welt verschwinden. Es wird weitergetragen, von Generation zu Generation: Blut ist dicker als Wasser, und seine Verwandten kann man sich nun mal nicht aussuchen.
Das gilt auch für Orest, den letzten...
Endlich mal keine düstere Dystopie zum weiteren Untergang des Abendlandes, sondern eine Zukunftsvision, die nicht heller und erwartungsfroher strahlen könnte: Die Menschheit, wie sie Lukas Bärfuss zumindest am Anfang seines neuen Stücks vorstellt, lebt nach dem Prinzip von «Hingabe, Wohlwollen und Freundschaft», hat Kriege und allen Streit hinter sich gelassen,...
