Kein Inhalt ohne Struktur!
Liebe Redaktion,
Ich finde es schwer, einen Beitrag zu schreiben, der meine Bedürfnisse als Regisseurin formulieren soll, ohne direkt auf die bestehenden Arbeitsbedingungen an den Theatern einzugehen. Denn diese zu verändern, zu verbessern, sind meine Bedürfnisse! Also würde ich zwangsläufig über «zu feste Strukturen», «zu kurze Produktionszeiten», «zu strenge Hierarchien», «zu hohen Leistungsdruck» und dergleichen schreiben.
Das ist in letzter Zeit schon hundertmal gesagt worden und nicht das, was Sie sich als Beitrag «Mein ideales Theater – eine Utopie» wünschen.
Aber es ist das, was mich in der Praxis umtreibt. Ich kann nicht in den luftleeren Raum denken.
Das ideale Theater ist das Theater, das einem künstlerische Freiheit schenkt. Die Kunst sollte sich nicht dem Apparat beugen müssen. Und schon wieder wäre ich beim Apparat.
Das Unberechenbare hat am Theater keinen Raum mehr. Und das liegt meiner Meinung nach an den Zwängen der Institution, an den Strukturen.
Es ist leider müßig; ich finde keine Worte, meine Visionen und Wünsche zu benennen, ohne auf den Probenalltag hinzuweisen, ohne mich zu beklagen. Und ich möchte mich ungern in der Öffentlichkeit beklagen.
Das klingt jetzt ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 8
von Karin Henkel
Bibiana Beglau hat Lust am Widerspruch – das bekommen gelegentlich auch Mitspieler bei Publikumsgesprächen zu spüren: die Schauspielerin des Jahres.
Peter Kurth muss mal ein sehr aktionistischer Schauspieler gewesen sein – bevor ihn ein paar ältere Kollegen beim Bier beiseite genommen haben: der Schauspieler des Jahres.
Von allem das Beste! 44 Kritiker haben wie jedes Jahr gedacht, gerungen, mit sich gekämpft, alle ästhetischen Maßstäbe geprüft und wenn nötig gesprengt, die sensiblen Nerven bis zur völligen Erschöpfung strapaziert, um zum Saisonschluss als letzte herkulische Anstrengung Bilanz zu ziehen, schwierigste, persönlichste und gleichzeitig allgemein gültigste...
Zuerst stellt sich für mich sogleich die Frage, wie der Ort für dieses Traumangebot aussieht. Wo ich bin, ganz real.
Und da tauchen auch schon drei ehrwürdige Hallen auf. Ein Park mit alten Bäumen, einen Biergarten hat es, unmittelbar an einem breiten, langsamen Fluss. Das beeindruckt mich besonders. Ein unbestechlicher Begleiter, Einmitter, Erregungshemmer, der...
