Mode und Vergänglichkeit
Sie wolle etwas Heiteres schreiben, ihr sei nach Komödie, soll Elfriede Jelinek angekündigt haben, und nach den schweren Texten, die in letzter Zeit aus ihrer Feder kamen, wie «Die Schutzbefohlenen», in dem sie sich unermüdlich am Flüchtlings-Thema abarbeitete, oder «Wut», in dem sie die Anschläge von Paris thematisierte, nahm sie sich das Thema Mode vor.
Auch laut eigenem Bekunden hat Elfriede Jelinek eine Leidenschaft für Mode. Seit Jahren, ja seit Jahrzehnten streift sie das Thema immer wieder und benutzt es als Folie für verschiedenste Gegenstände und Denkfiguren.
Schon 1983 formuliert sie in «Ich möchte seicht sein» am Bild der Mode ihr Ideal von Theater: «Vielleicht eine Modeschau, bei der die Frauen in ihren Kleidern Sätze sprechen. Ich möchte seicht sein! Modeschau deswegen, weil man die Kleider auch allein vorschicken könnte.» 2000 bekennt sie in dem Aufsatz «Mode» für das Magazin der «Süddeutschen Zeitung»: «Von wenig Dingen verstehe ich so viel wie von Kleidern», um an Hand von Kleidung über sich selber und das Verhältnis von Sich-Zeigen und Sich-Verstecken nachzudenken: «Schiebe ich die Kleidung zwischen mich und das Nichts, damit ich dableiben kann, ohne dass man ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 165
von Felicitas Zürcher
Wer ist Lucas? Diese Frage ist der rote Faden, der durch die sieben Szenen des Stücks führt – ohne jedoch jemals abschließend beantwortet zu werden. Lucas ist vor allem eine Leerstelle, die die Figuren beschwören und mit ihrer Sprache umkreisen, die sie aber nie füllen können. Er personifiziert das Paradox einer gleichzeitigen Anwesenheit und Abwesenheit, welches...
Unter den jungen und aufgekratzten Menschen, die an diesem Frühsommerabend an den Cafétischen vor der Amsterdamer Stadsschouwburg sitzen, ist er der Mann, der am lautesten lacht. Es ist ein dröhnendes, markerschütterndes Lachen, das wie ein Theatereffekt wirkt. Simon Stone trägt einen eng sitzenden dunkelblauen Anzug, er zeigt seine prächtigen weißen Schneidezähne...
Die erste Entscheidung war die schwierigste: einem Stück den Titel «Adolf Hitler: Mein Kampf, Band 1&2» zu geben. Als die Uraufführung näherrückte, kamen Anrufe von Journalisten, auch aus dem Ausland. «Rechnen Sie mit einem Skandal?» – «Nö.» – «Aber das wird doch sicher Wellen schlagen, gibt es schon Gegenwind?» Antwort: «Nö.»
CNN hatte sich zum Filmen angemeldet,...
