Es war einmal ein Global Player
Dieser Peer ist ein Prachtkerl. Einer, für den die Mädels alles stehen lassen und den seine Mutter insgeheim vergöttert, obwohl sie ihn ständig ausschimpft. Ein Rumtreiber und Prahler, dem man trotzdem kaum übelnehmen kann, dass er sich mit dem oder der ersten Besten nicht zufrieden geben mag, wo ihm doch auf märchenhafte Weise alle zu Füßen zu liegen scheinen.
Wie ein Märchen beginnt David Bösch auch seine Inszenierung von Ibsens rauem Erzähltrip durch die Zwiebelschalen eines Menschenlebens am Münchner Residenztheater: In einem kahlen Wald aus hohen Fichtenstämmen haust Peer mit seiner Mutter Aase in einem wackeligen Wohnwägelchen. Bierkästen an den Baumwurzeln lassen vermuten, dass hier nicht ohne Fröhlichkeit gelebt wird. Zwar hat der Vater zu Lebzeiten den Hof mit Spiel und Trinken durchgebracht, und seither sind die Gynts prekäre Randexistenzen, wo sie einst zur Dorfoberschicht gehörten; doch Angst macht Peer nicht der soziale Abstieg, sondern der mögliche Zwang, irgendwo dazugehören zu müssen.
Da nimmt er lieber Reißaus in ungestüme Tagträume, die Shenja Lacher, der diesen Abend so souverän nach Hause reitet wie Peer den wilden Bock in seiner erlogenen Jägerschnurre, aus ...
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Theater heute Februar 2015
Rubrik: Chronik München, Seite 54
von Silvia Stammen
Wer sich an Elfriede Jelineks Flüchtlingsklage «Die Schutzbefohlenen» wagt, hat im Grunde gar keine Chance, mit weißer Weste aus der Inszenierung hervorzugehen. Schließlich besteht die luzide Qualität des Textes gerade darin, die europäische Debatte um Asylsuchende, Grenzschutzpraktiken à la Frontex und moralisches versus paragrafisches Asylrecht angemessen...
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Flüchtlinge haben ja längst eine Maßeinheit: Man gibt sie in Hunderten oder Tausenden an, in den Zeitungen und im Fernsehen begegnen sie uns als Masse, namenlos bleibt der Einzelne, sein ganz individuelles Schicksal unerzählt. Der junge, aus Kiew stammende Autor Dmitrij Gawrisch hat sich für sein Stück «Brachland» zwei Menschen herausgegriffen aus dem Pulk, der die...
