Neurotische Frauen
Wie man hört, wird Bernd Eichinger demnächst in Zusammenarbeit mit einem renommierten Baader-Meinhof-Chronisten die Geschichte der RAF verfilmen. Zu erwarten ist eine oberflächenpolierte Terroristen-Schmonzette, die sich als Historie geriert. Ein bekanntes Fernsehgesicht wird in Zukunft für Ulrike Meinhof stehen, und endlich werden wir die Menschen, die unsere Geschichte bestimmt haben, kennen, ihre Gefühle und ihre Motivationen verstehen.
In Elfriede Jelineks «Ulrike Maria Stuart» versteht man erst einmal wenig – zersplittert, überhöht und grotesk erscheinen die Figuren, zersplittert auch die Geschichte und undurchdringbar die Sprachwüste, die uns die Autorin zumutet. Königinnen, Engel und Prinzen samplen sich durch drei Zeitspannen, durch Ideologien und Ideologielosigkeit und erzählen ganz nebenbei von der Unmöglichkeit einer auch nur halbwegs objektiven Geschichtsschilderung.
Maria Stuart und Elisabeth I., Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin – gleich zwei mal zwei Königinnen, zwei mal zwei Frauen kämpfen in Elfriede Jelineks neuestem Stück um Macht und Liebe, bekämpfen sich gegenseitig und kommen zu Fall. Ausgehend vom Kerker, von der Strafjustizanstalt Stammheim, öffnet Elfriede ...
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Es gehört von jeher zum Wesen des Menschen, dass er dort, wo er die Dinge nicht versteht und die Welt ihm Angst macht, nach Erklärungen sucht, um sich das Unheimliche näher zu bringen. Wo keine rationalen Erklärungen zu finden sind, entstehen Geschichten gegen das Fürchten, die über Jahrhunderte und Generationen hinweg weitererzählt werden: ein eigener Kosmos aus...
Was für ein kaltes Luder! Gerade erst hat man sich gemütlich eingerichtet im schicken Wohnzimmer der Tesmans und in Thomas Ostermeiers elegant realistischer Inszenierung, hat sich wohlwollend und eine Spur gelangweilt angehört, wie Lars Eidingers Jörgen Tesman leicht trottelig, zerstreut und beflissen die nervös bemühte Tante Jule (Lore Stefanek) besänftigte, da...
Was für Regeln gelten für die 38 Kritiker, die auch in dieser Spielzeit wieder die Schauspieler, Inszenierungen, Stücke und Bühnen des Jahres gewählt haben? Eigentlich keine, außer dass sie ihre Voten rechtzeitig einsenden müssen. Ansonsten sind sie nur sich, dem Theaterhimmel über ihnen und ihren persönlichen Regelwerken verpflichtet.
Auf den folgenden Seiten das...
