Das Ende der Zentralperspektive
Der Titel würde auch zu einem Fantasy-Blockbuster oder einem Computerspiel passen, in dem es um archaische Gemetzel und endlose blutige Machtkämpfe geht. Doch diese «Dark Ages» gehören keinen ominösen Cyberwelten und auch keiner sagenhaften Vergangenheit an. Die dunklen Zeiten, die hier zur Debatte stehen, sind Teil unserer eigenen europäischen Realität, Gemetzel und Machtkämpfe inbegriffen, vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute.
Zu deren Erforschung ist Milo Rau nach seinen Aufsehen erregenden Reenactments zu kollektiven, individuellen und staatlichen Gewalteskalationen wie «Hate Radio», «Breiviks Erklärung» bis zu den «Moskauer Prozessen» gegen Pussy Riot nun gerade dabei, ein neues theatrales Instrumentarium zu entwickeln – diesmal sogar mit vorsichtigen Anleihen aus der klassischen Dramenliteratur.
Beim Brüsseler Kunstenfestival im letzten Jahr startete die Europa-Trilogie mit «The Civil Wars» (siehe TH 1/15), das die Affinität bürgerlich sozialisierter Jugendlicher zu terroristischem Extremismus wie dem IS ins Visier nahm. Der zweite Teil, «The Dark Ages», hatte nun als Produktion des Residenztheaters in Zusammenarbeit mit Raus International Institute of Political ...
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Theater heute Juni 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Silvia Stammen
Pläne der Redaktion
Wie funktioniert ein Apparat, der regelmäßig Kunst und Öffentlichkeit zur Verfügung stellt?
Und was bleibt von dieser Arbeit übrig? Diese und noch mehr Fragen stellen She She Pop bei ihrer Koproduktion mit dem Schauspiel Stuttgart: «Einige von uns»
Auch das ist Brüssel: Christophe Slagmuylder leitet das Kunsten-festival des Arts, einst
gegrü...
So kann man Dr. Heinrich Faust auch sehen: ein adretter Herr im dunklen Anzug, grelle Blässe im Gesicht, je nach Alter mal mit, mal ohne Bart, der gerne und viel redet. Solche mittleren Universitätsangestellten sind mehr denn je verbreitet, weshalb der wortreich hadernde Herr Professor in «Faust I» gleich viermal vertreten ist und sich die Versbrocken brav...
Guinea Bissau an der afrikanischen Westküste gehört zu den am geringsten entwickelten Ländern weltweit. Wer Bilder von dort mit am Rand des Überlebens hungernden Kindern sieht, dem wird das Herz klamm. Wer daran glaubt, dass gespendete zehn Euro schon einen kleinen Jungen für einen Monat satt machen können, der spendet (frei-)willig. Und fühlt sich danach...
