Leise klimpernde Schläfrigkeit

Tschechow «Drei Schwestern»

Theater heute - Logo

Die Stadt haben die Schwestern sich als luftige Sehnsuchts-Skyline ganz oben ins Kinderzimmer gehängt, das Landleben läuft als stummes Baumrauschen auf dem Flachbildschirm, obwohl man es vor der Tür doch gefühlsintensiver hätte. Wie Aufziehpuppen hasten die Bewohner durch ihr Gut, das Theun Mosk im Schauspielhaus
Bochum über vier Etagen als pittoreskes Setzkastensystem angelegt hat: alles Einzelzellen.

Denn hier wird ja auch nicht miteinander, sondern über- und durcheinander geredet, verstehen kann man ohnehin oft nichts wegen des Musikteppichs von Paul Koeks Veenfabriek aus Leiden.

Schon im zweiten Jahr hat Intendant Anselm Weber dem niederländischen Regisseur und Musiker die Eröffnung der Spielzeit überlassen, der bekannt dafür wurde, stets dem musikalischen Fluss der literarischen Werke zu gehorchen. An der Seite sitzen drei Musikerinnen wie ältere Ausgaben der drei Schwestern und spielen Cello, Flöten, Tasteninstrumente oder Porzellangeschirr nach Motiven von Morton Feldmann, der Backgroundchor steigt mit den Darstellern die Treppen auf und ab. Was zuerst wie lästige Hintergrundmusik wirkt, verwandelt sich in einen sehnsüchtig-flirrenden Grundton, der sich schwebend um die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2011
Rubrik: Schauspielhaus Bochum, Seite 45
von Dorothea Marcus

Weitere Beiträge
Tschüss, Prenzlauer-Berg-Museum!

TH Die Nachricht von Ihrem Wechsel nach Stuttgart zur Spielzeit 2013/14 hat uns überrascht. Schließlich haben Sie erst vor zwei Jahren bis 2016 am Maxim Gorki Theater verlängert. Was sagt denn Klaus Wowereit zu Ihrer Entscheidung?
Armin Petras Er hat im Pluralis Majestatis gesagt: «Wir wünschen ihm alles Gute.» Ein großer Staatsmann. Da hat er mich wirklich...

Herzensergießung und göttlicher Zorn

Romanadaptionen kränkeln häufig daran, dass sie sich mit dem Nacherzählen begnügen; die Schauspieler fungieren halb als Erzähler, halb als Rollenträger: Es sind die vielgeliebten Märchenstunden des zeitgenössischen Theaters. Der oft verkannte ukrainische Regisseur Andriy Zholdak dagegen macht keine halben Sachen; er haut nicht nur auf die Pauken, er stößt auch in...

Aischylos «Die Orestie»

Dieser Klytaimestra ist jeder Zweifel fremd. Wenn Susann Thiede mit frisch bürolackierten Fingernägeln und dem Charme einer Politkommissarin ihren Gattenmord rechtfertigt, müsste jedes Hinrichtungskommando vor Schreck die Waffen strecken. Nicht so Orest, bei Arndt Wille ein ebenso blass verschreckter wie augenrollend erleuchteter Vaterrächer, der sein Schwert...