Himmelfahrt mit Vorhang
Wer Marie NDiayes «Drei starke Frauen» gelesen hat, wird keine übertriebenen Migrationshoffnungen in Richtung Europa mehr hegen. In der ersten der drei Geschichten kehrt eine strebsame französische Anwältin, Imigrantin der zweiten Generation, zu ihrem Vater nach Algerien zurück, den sie verachtet, ohne sich seiner zermürbenden Anziehungskraft erwehren zu können. In der zweiten Geschichte zerbricht ein junger Franzose, dessen Vater einst als Geschäftsmann nach Algerien ausgewandert war, fast an den Nachwehen von dessen Verbrechen.
Und in der dritten Geschichte schließlich, die Friederike Hellers «Nach Europa» zugrunde liegt, kämpft sich eine junge Afrikanerin, die von ihrer Familie verstoßen und nach Europa geschickt wird, durch die lange Reise, bis sie schließlich am Grenzzaun ums Leben kommt. Wenn man eine Schlussfolgerung aus den drei Leben ziehen wollte, wäre jede(r) besser zu Hause geblieben.
Im Malersaal des Deutschen Schauspielhauses steht ungefähr drei Meter hinter der Rampe eine raumbreite Wand aus Glas und Metall, die sich in der Mitte schleusenartig öffnen kann, was sie aber meistens nicht tut. Davor zwei Schauspieler, Bettina Stucky und Matthias Bundschuh, dazu ein ...
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Theater heute Januar 2014
Rubrik: Starts/Aufführungen, Seite 12
von Franz Wille
Ankommen, Runterkommen, Wer-kennt-Wen-Geschnatter und Schneematsch draußen lassen – wer das nicht ganz schafft, den bringt Geumhyung Jeong mit ihrer sanft autoritären Präsenz dazu: Die südkoreanische Performerin beherrscht die Kunst der Zeitlupe in Zeitlupe. Wenn sie so den weiten leeren Raum durchquert, breitet sich eine kühle Konzentriertheit aus, ein Kosmos mit...
Showtime, Swingtime, Steptime. Gleich könnten Fred Astaire, Ginger Rogers, Cyd Charisse und Gene Kelly hereintänzeln. Dann aber erscheinen ein Mister Pink (Henry Meyer) und eine ballettöse Madame Cécile (Elisabeth Kopp), die wir lieber Mademoiselle nennen würden, wenn sie mit leichter Hand das Wunder der Rose vollbringt. Um sie her, im Malersaal des Theaters...
Die ganz großen Themen sind weg (so zumindest das Titelstatement der letztjährigen Pollesch-Folge an den Münchner Kammerspielen), aber es gibt immer noch viel zu besprechen, und selbst die alten Menschheitsfragen nach Erlösung, Liebe und warum wir um Himmels Willen alle ewig so weitermachen wollen, haben sich im postmodernen Faschingskostüm durch die Hintertür...
