Zuschauer: Schauspieler, Poltiker, Selbstdarsteller
Michael Merschmeier Wir haben zusammen Jürgen Goschs Inszenierung von Tschechows «Onkel Wanja» im Deutschen Theater gesehen. Ihr Vater war Arzt, Sie haben auch Medizin studiert. Ist die Figur des Doktor Astrow Ihrer Erfahrung nach eine Karikatur: ein Trinker, der kaum arbeitet, aber über zu viel Arbeit klagt?
Jürgen Zöllner Die Kombination Arzt und viel Arbeit ist für mich gut nachvollziehbar. Der Schritt zum Trinker, insbesondere wenn man den Beruf ernstnimmt und oft die eigene Hilflosigkeit sieht, ist sicher nicht so selten.
Eine Flucht – genau wie das Wahrnehmen einer Gelegenheit, nichts zu tun, dabei aber über zu viel Arbeit zu klagen.
MM Und wie fanden Sie Jens Harzer als Astrow?
Zöllner Stimmig. Wunderbar.
MM Haben Ärzte eine besondere Anziehungskraft für Frauen? Astrow könnte sie ja alle haben ...
Zöllner Es ist nicht sein «Arztsein», sondern sein «Sosein».
MM Haben Politiker auch eine besondere Aura, die sie verführerisch macht?
Zöllner Einfluss und öffentliche Beachtung haben für manchen Menschen sicher eine Bedeutung.
MM Könnten Sie das nicht ein bisschen genauer sagen? Bekamen Sie Liebesbriefe, oder wurden Sie in Mainz auf der Straße angesprochen?
Zöllner Dazu möchte ich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Im Moment verfolgt das Frankfurter Schauspiel unter anderem bundesrepublikanische Familiengeschichten, in denen en passant ökonomische Turbulenzen von den Wirtschaftwunderjahren bis hin zum Turbokapitalismus der New Economy verhandelt werden. Auf Jan Neumanns «Kredit» (siehe S. 40ff. in diesem Heft) folgt Kai Ivo Baulitz’ «Transporter», mit dem der 36-jährige...
Der ältere Herr, der aus dem Bühnendunkel ganz nach vorn an die Rampe tritt, sich setzt und mit den Beinen baumelt, sieht aus, als wolle er gleich mit dem Publikum schmusen. Zutraulich lässt Jean-Pierre Cornu seinen Blick über den Zuschauerraum wandern, forscht sehnsuchtsvoll in einzelnen Gesichtern. Ein melancholisches Lächeln spielt um die bitteren Lippen, als...
Nach Hysterialand linksum!», steht in roter Typografie auf der ersten Seite des Programmhefts der «Tosca». Das Motto stammt von Martin Kippenberger. «Ich kann mir doch nicht jeden Tag ein Ohr abschneiden», beeilt sich Lars Rudolph in der Rolle des Cavaradossi mit einem zweiten Kippenberger-Zitat. Was hat der mit «Tosca» zu tun? Nun, wie der verstorbene Kippenberger...
