Zittau: Heuschreckenforschung
Was wir noch wissen vom Krieg? Nichts. Was stellt er an mit den Menschen, die ihn durchleben? Keine Ahnung. Theatertexte, die im Gefolge der jugoslawischen Erbfolgekriege geschrieben und aufgeführt wurden, markierten womöglich die letzte halbwegs konkrete Verbindung mit Mord und Totschlag aus politisch-ideologischen Motiven. So fremd und fern ist der Krieg, dass das Raunen über «Kriegsgefahr in Europa» in Folge der Separationsbestrebungen in der Ost-Ukraine wie Hysterie und Alarmismus klingen.
Data Tavadze, ein 25-jähriger Regisseur und Dramatiker aus Georgien, kennt den Krieg.
Sein Präsident Michail Saakaschwili stritt mit Moskau vor sieben Jahren um Gebiete, er riskierte den Waffengang dafür – und verlor ihn. Data Tavadze, damals 18 Jahre jung, schrieb die erste Fassung von «Kriegsmutter». Und so unüberhörbar vom Krieg die Rede ist im Text, so wenig kommt er handfest vor auf der Bühne.
Sina und Manana betreiben staatliche Forschung an Heuschrecken. Das sind die Tiere, die blitzschnell zu Kampf-Armeen mutieren, wenn sie nur richtig stimuliert werden. Wie Menschen. Sinas Sohn ist offenbar eingezogen (oder gegen seinen Willen rekrutiert) worden von staatlichen Behörden; jeden Monat ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Michael Laages
Alvis Hermanis mag die Menschen nicht, wie sie so vor ihm stehen. Er mag sie nur verfremdet. Über Umwege. Mit extremen Masken. Alt. Uralt. Zu diesem Schluss muss man jedenfalls kommen nach seinem «Kaspar Hauser» 2013 und seinen «Schönsten Sterbeszenen in der Geschichte der Oper» 2015 im Zürcher Schiffbau. Beim Hauser baute er Kinder in Greise um und hängte sie an...
Zunächst einmal konnte sich der Gesprächsgegenstand ordentlich auf die Schulter klopfen: Kaum ein Zuschauer, der zur Diskussionsveranstaltung «Die Publikumsmaschine» in der Berliner Akademie der Künste am Hanseatenweg erschienen war, dürfte sich je ein derart spektakuläres Bild von sich selbst gemacht haben, wie es – befragt von der Radiomoderatorin Anja Caspary –...
Esther Boldt Martine Dennewald, Sie haben zuletzt als Dramaturgin und in der Interimsleitung des Mousonturms gearbeitet; zuvor waren Sie Schauspielreferentin bei den Salzburger Festspielen. Was bringen Sie aus Salzburg und Frankfurt mit zum Festival Theaterformen?
Martine Dennewald Mein Adressbuch. (lacht) Ich weiß, was für eine Verantwortung ich trage, das bringe...
