Foto: Judith Buss

Zeig mir das Spiel vom Tod

Aureliusz Smigiel entdeckt im Marstall starke Theaterfiguren bei Fassbinder, und Susanne Kennedy mixt an den Kammerspielen Jeffrey Eugenides mit Timothy Leary und dem Tibetischen Totenbuch zu einem höchst eigenartigen Totentrip

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Der Wunsch zu sterben kann aus einer kaputten Liebe herrühren oder aus verlorener Hoffnung auf Liebe, nur selten kommt er der Liebe und der Hoffnung zuvor, wie bei den fünf Teenager-Töchtern einer puritanischen Bilderbuchfamilie in Jeffrey Eugenides’ tiefschwarzem Romandebüt aus dem Jahr 1993 «Die Selbstmord-Schwestern», die allesamt in der Blüte ihrer Pubertät aus einer rätselhaften Schwärmerei heraus den Freitod wählen.

Dagegen kann Elvira, vormals Erwin Weishaupt, die Hauptfigur aus Rainer Werner Fassbinders exquisit ausweglosem Seelendrama «In einem Jahr mit 13 Monden», zumindest sagen, sie habe bis zur Geschlechtsum­wandlung alles versucht.

Weil der Mann, in den sie sich noch als Erwin verliebt hat, beiläufig sagt, das wäre ja schön, dass er ihn liebe, wenn er nur ein Mädchen wäre, lässt sich der verheiratete Familienvater umoperieren – obwohl er zuvor nicht einmal schwul war – und verliert so Frau und Kind und auch den Freund, den er ohnehin nie besaß. Was dann noch folgt, ist ein Taumeln durch diverse Stadien innerer Auflösung. «Das ist mein Unrecht, dass ich eine Sehnsucht habe», stellt Elvira schließlich erschöpft fest, nicht ganz frei von Selbstmitleid, aber was macht ...

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Theater heute Mai 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 38
von Silvia Stammen

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