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Yael Ronen: Ein Land ohne Land für ein Volk ohne Land
Ich kann diesen Satz nicht lesen. Ich kann versuchen, ihn auszusprechen, aber das klingt albern. Ich spreche kein Deutsch, noch nicht. Ich schreibe für eine Sprache, die ich nicht beherrsche oder die ich mich weigere zu beherrschen, kommt drauf an, wen man fragt. Eine Sprache, in die Irina für mich übersetzen muss. Ich vermeide es, in meiner Muttersprache zu schreiben. Ich habe Angst vor zu viel Sentimentalität, vor meiner Frustration über das Unübersetzbare. Ich versuche, kurze, klare Sätze zu schreiben. Direkte, nackte Gedanken.
Ich versuche, eine Form zu vermeiden, um mich nicht von ihr davontragen zu lassen. Ich schreibe auf Englisch. Als würde ich eine Gebrauchsanweisung für Elektrogeräte schreiben. Ich denke in einer Sprache, die für mich keine Geschichte und keinen Ballast hat. Ich denke ohne Grammatik. Ich arbeite in einer sprachlichen Grauzone.
«By the rivers of babylon, there we sat down
Ye-eah we wept, when we remembered zion»
Wir saßen an der Spree. Damals wollte ich nicht mehr in der Öffentlichkeit rumheulen. Wir haben also nicht geweint. Wir haben uns an Zion erinnert, aber nicht darüber gesprochen. Wir sprechen kaum über Israel, wenn wir uns sehen. Jeff ist nur ein ...
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Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Der ideale Staat, Seite 32
von Yael Ronen
Kleine Stadt. Parkcenter, Auto, Parkplatz vor einem Lagerhaus, Gartenlaube. Spätsommer. Zwei Frührentner auf der Bank, Kaffee trinkend: Kathrin Wichert, noch, aber unglücklich verheiratet, Jürgen Raser, Hobbyphilosoph, Kapitalismuskritiker und verwitwet.»
Das ist das Setting für «Bambule im Herbst» von Dirk Laucke, der an seiner Chronik über das Leben der...
Zwei schwarz angemalte Toilettenpapierrollen und eine Depafit-Leichtstoffplatte: Dies war die Grundidee zum aufwändigsten Bühnenbild, das je am Residenztheater gebaut worden ist. Es besteht aus einem gewaltigen, vier Tonnen schweren Laufband und einem zweiten, etwa 3,5 Tonnen schweren Laufband auf drei Hubpodien, die vier Meter nach unten reichen. Darauf...
Wenn wir uns Wahrheit als stichhaltig wie Granit vorstellen und die Persönlichkeit als genauso wenig greifbar wie ein Regenbogen und realisieren, dass es das Ziel der Biografie ist, diese beiden in ein nahtloses Ganzes zu verschweißen, müssen wir zugeben, dass dies ein echtes Problem darstellt» (Virginia Woolf, «Granit und Regenbogen»). Die schwedische Autorin Sara...
