Wien: Schabernack satt
Der Galgen ist ein Turngerät. Am dicken Strick, der an ihm hängt, lässt es sich wunderbar durch die Lüfte schaukeln. Am allerbesten versteht sich in dieser Inszenierung der «Komödie der Irrungen» der Kerkermeister darauf. Er ist in Gestalt von Merlin Sandmeyer ein spaßiger Gevatter Tod, ein stöckchendünner Zappelphilipp der Unterwelt, ein akrobatischer Komödiant des Totenreichs. Nur eines ist er nicht: ein Verkünder des drohenden Todes.
Soll er in Herbert Fritschs Inszenierung der Shakespeareschen Farce auch nicht sein.
Die Komödie rund um die beiden Zwillingspaare aus Syrakus, die durch ein Schiffsunglück getrennt worden sind und sich viele Jahre und Verwechslungen später in Ephesus wiederfinden, ist auf der Bühne des Burgtheaters ein einziger großer Schabernack. Eine Bonbonniere, in der es knistert und raschelt und von deren Reizen man gerne kostet. Nach einigen Momenten stellt sich dann aber wieder Hunger ein.
Um ihn schert sich dieser Regisseur herzlich wenig. Als gehe es um einen Wettbewerb der Pointen, choreografiert Herbert Fritsch die fünf Akte als atemlose Nummernrevue, bei der sich Akrobatik und Blödelei, Slapstick und Ironie die Hände reichen. Linkerhand steht auf der von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2017
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Stephan Hilpold
Natürlich wirkt Eszter not amused, als mitten in der Nacht ihre Schwester Ernella vor der Wohnungstür steht, Mann und Teenie-Tochter inklusive. Schließlich ist es keine zwölf Monate her, dass Ernellas Gatte just auf dieser Türschwelle großspurig von dauerhafter Auswanderung gesprochen hatte: Mindestens zehn Jahre lang bräuchte hier, in Budapest, niemand mehr mit...
Theater Heute
Die Theaterzeitschrift
im 58. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Martin Kraemer
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709...
Zu der Zeit, als Rousseau seine politische Theorie der Freiheit entwarf, waren die englischen, deutschen, portugiesischen, holländischen und französischen Siedler und Kolonialisten gerade dabei, die Eingeborenen Afrikas zu versklaven. Ein gutes Beispiel dafür, dass wir die Ideologie nie mit der Realität verwechseln sollten. Bücher transportieren Ideologien, und...
