«Wie sind wir zu solchen Versagern geworden?»
Irgendwann im Leben lernt man, dass das Aufgeben eigentlich eine größere Aufgabe darstellt als das Weitermachen. Dass man sich abschotten muss vom Rest der Welt, in seinen eigenen vier Wänden, wenn es geht. Am besten mit einem Kindheitstrauma zur Hand, womöglich unterstützt von einem Familienangehörigen oder einem alten Freund. Das offensichtlich schon durch einige Hände gegangene graue Ikea-Sofa in David Levines Theaterinstallation «Habit» ist unter anderem deshalb ein genialer Schachzug.
Denn es kommt einem merkwürdig bekannt vor: bekannt aus unzähligen Off-Broadway-Inszenierungen; bekannt aus den Rezessions-Sitcoms wie «2 Broke Girls», die seit ein, zwei Jahren die abendlichen Fernsehbildschirme erobert haben; bekannt aus den Brooklyner und Berliner Wohnungen von Freunden und Bekannten. Es bildet den perfekten Hintergrund für die zentrale Frage der von Levine und seinen Schauspielern aufgeführten Performance, die das kleine kulturelle New York während ihrer zehntägigen Laufzeit im September regelrecht wachrüttelte.
«Wie sind wir nur zu solchen Versagern geworden?», platzt jemand an einer Stelle heraus. Damit drückt er nicht nur ein Lebensgefühl aus, das im privaten Amerika ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2012
Rubrik: Ausland, Seite 10
von Daniel Schreiber
Es könnte ganz einfach sein – schlicht wie der erste Satz: «Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.» Im Düsseldorfer Schauspielhaus wuchtet sich erst einmal ein aus sechs Dutzend Männern und Frauen bestehender Chor in schwarzen Anzügen mit passenden Hüten aus den vorderen Parkettreihen,...
Gerade mal 23 ist Laura Naumann, vier Stücke hat sie geschrieben, und an Wettbewerben und Preisen hat sie vom Berliner Stückemarkt bis zu den Autorentheatertagen am DT schon mitgenommen, was mitzunehmen ist. Nebenbei studiert sie im Performancecluster Hildesheim Kreatives Schreiben und ist Mitglied der Game-Performer MachinaEx, deren surreale Spielinstallationen...
Ein Dutzend junger Männer lagert auf gestreiften Sonnenstühlen. In Hawaiihemden und T-Shirts, mit Tattoos und Piercings, Pferdeschwanz und Kurzhaarfrisuren, muskelbepackt und untrainiert – auf den ersten Blick scheint sie außer dem Alter wenig zu verbinden. Hinter ihnen ragt haushoch eine knallgrüne Efeuwand empor, mehr Gefängnis als Garten, Vögel zwitschern vom...
