Wie funktioniert Gesellschaft?
Dem Verständnis, das Politiker unterschiedlicher Couleur den Ängsten vor «Überfremdung» und «Islamisierung» entgegenbringen, weil man «die Sorgen der Bürger ernst nehmen» müsse, kann man erwidern: Nicht jede Angst ist berechtigt, und nicht jede Angst führt zum Recht. Der Soziologe Heinz Bude spricht in diesem Zusammenhang davon, dass ein ethnisch homogenes Milieu nur ein «halluzinierter Zustand» sei (und immer war), der zwar mit großen Gefühlen aufgeladen werden könne, aber als Grundlage für ein Wir nicht aufrechtzuerhalten sei.
Warum geht die Sehnsucht nach Gemeinschaft dennoch oft mit gruppenbezogener Ausgrenzung einher? Wie entstehen Einstellungen, die von der Ungleichwertigkeit der Menschen ausgehen? Entstehen Gesellschaftsstrukturen weniger über Gemeinsamkeiten als vielmehr über das Außen, den gemeinsamen Feind, die Anderen, von denen man sich abgrenzt? In seinem Stück «rechtes denken» untersucht Konstantin Küspert rechtsextreme und somit fremdenfeindliche Positionen in unserer heutigen, «nordwestlichen» Gesellschaft.
Wann rechte Denkweisen als «rechtschaffen», wann als beunruhigend wahrgenommen bzw. qualifiziert werden, hängt durchaus auch vom diskursiven Gewand ab, mit ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 185
von Remsi Al Khalisi
Gestern war Verabschiedung. Sandro Tajouri und Sebastian Schindegger verlassen zum Ende der Spielzeit das Ensemble, beide aus persönlichen Gründen und schweren Herzens. Da standen dann nach der gestrigen Vorstellung vierzig, fünfzig Menschen auf dem Theaterhof und begrüßten die beiden johlend und mit Wunderkerzen in der Hand. Sascha von der Beleuchtung hatte einen...
Ensemble ist die gelebte Utopie einer solidarischen Gemeinschaft, in der jeder egoistische Ziele verfolgt unter dem Banner von künstlerischem Ausdruckswillen. Ensemble heißt zusammen. Wenn Theatermachen eine ständige Überforderung ist, ist es nur dieses Zusammen, das es ermöglicht, diese Herausforderung zu meistern.
Wenn man sich ein Ensemble näher anschaut, sollte...
Ausgerechnet eine TV-Serie (wenn auch nicht die schlechteste!) inspirierte Noah Haidle 2008 zu einem wahren Mammutprojekt: «Ich sah die Fernsehserie ‹24› und wollte so etwas auf die Bühne bringen. Heraus kam ein Zyklus von Stücken, den ich ‹Local Time› nannte», sagte Haidle. Zwölf jeweils zweistündige, thematisch lose miteinander verbundene Zweiakter sollten 24...
