«Wer vögelt, hat mehr vom Schlagen»
Schweindi Sei doch nicht so streng, Hasi, was soll denn unser Sohn über die Welt denken, wenn er das hört. Wir sind doch Familienmenschen, eine richtig einheimische Familie. Wir sind gefühlvolle Menschen und müssen die Worte nachsichtig einsetzen.
Hasi Da muss unserem Familienoberhaupt aber einmal das Schwänzchen himmelwärts aufsteigen, sonst ist es Essig mit den Hasenkindern, sonst bleiben die Kinder im Himmelszelt.
Jürgen Sie sollten vielleicht doch einmal einen Arzt aufsuchen, Herr Schweindi, wissen Sie, was der größte Scheißdreck auf der Welt ist? Ein Brot und wenn man nicht vögeln kann. (Schweindi springt auf, bringt aber kein Wort heraus. Die Wirtin bewegt sich auf Karli zu.)
Karli Ich erbitte eine Vergebung, Herr Schweindi. (Er gibt Herta präventiv eine Ohrfeige.) Ich kann schon gut vögeln, gell Herta, sag’, daß ich sehr gut vögeln kann. Erkläre den Menschen, daß der Karli immer ein steifes gesundes Fleisch in der Hose hat. (Herta gibt ihm eine Ohrfeige.) Na bitte, das ist der Beweis. Die Frau Wirtin weiß ja auch, daß ich gut vögeln kann, die haut mich ja auch immer.
Jürgen Es wird zuviel gehaut auf dieser Welt. Der menschlichen Seelenlandschaft wird andauernd in ihre ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Mensch ist frei, und weil er frei ist, kann er so tun, als sei er unfrei. Iwanow kann tun, was er will, und weil er das weiß, kann er nichts tun. Die Hauptfigur von Tschechows erstem abendfüllenden Stück könnte uns zeigen, wie weit es kommen kann mit uns, den allzu gründlich über sich selbst aufgeklärten Menschen. Amélie Niermeyers Inszenierung versucht das...
Am Vorabend seines Todes habe ich ihn zwischen vielen Menschen auf einer Premierenfeier getroffen und in sein durchwachtes Gesicht geschaut. Er fragte, was der Sinn des Lebens sei. «Wir brauchen Dich, Laurent!» – «Ist das der Sinn des Lebens, dass man gebraucht wird?», war seine Antwort. Je t'ai besoin – diesen Satz hat er selber einmal vertont, für den zweiten...
Antigone hat ein Problem. Das hat sie seit mehr als 2400 Jahren, als Sophokles ihre Geschichte aufschrieb. Aber jetzt ist die Lage wirklich prekär. Ihr Bruder verübte einen Selbstmordanschlag auf das Haus, in dem sie mit Haimon und ihrem Schwiegervater Kreon wohnt; dieser mutiert vom demokratischen Präsidenten zum angstzerfressenen Diktator, sie von einer...
