Wenn Helfer-Ideale nicht mehr helfen
Das Stück, von dem hier die Rede sein soll, ist ein Auftragswerk, zu dem wir die Autorin Felicia Zeller eingeladen haben. Äußerer Anlass für uns war der «Fall Kevin», die Geschichte des kleinen Jungen aus Bremen-Gröpelingen, der an den Folgen schwerer Kindesmisshandlungen starb und im Oktober 2006 tot im Kühlschrank der elterlichen Wohnung gefunden wurde. Kevin ist kein Einzelfall, sondern nur ein Beispiel, das unter mehr als 3.000 anderen Fällen pro Jahr in Deutschland das größte Erschrecken und die größte mediale Aufmerksamkeit erzeugt hat.
Was damit zusammenhängt, dass dieses Kind nicht anonym und fern jeder Öffentlichkeit starb.
Kevin und seine Familie wurden vom Amt für Soziale Dienste beobachtet, das Bremer Jugendamt hatte die Vormundschaft für ihn übernommen, seit August 2004 (da war er ein halbes Jahr alt) ist ein Verdacht auf Kindesmisshandlung aktenkundig. «Kevin tot zuhaus», obwohl die Räderwerke unserer Sozialstaats-Maschinerie von den Betreuern vor Ort bis hinauf zum Bürgermeister mit diesem Fall befasst waren? «Kevin» passiert in unserem Land täglich und zwar in einer schockierenden Häufigkeit. Überforderte, weil überlastete Jugendämter gibt es nicht nur in Bremen. ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 174
von Josef Mackert
Das Stück endet in der Katastrophe: Der Vater stirbt, die Ehefrau wird wegen Missbrauchs eines Minderjährigen verurteilt, weitere Beziehungen sind zerstört oder ihr Aufkommen wird im Keim erstickt. Oder es schließt mit Happy End: Denn der angeblich missbrauchte Junge und die Tochter beginnen eine Beziehung – die die Fehler der Eltern vielleicht vermeidet ....
Das ist das? Ist dick, rollt, wackelt und wippt, tanzt plötzlich zierlich und graziös? Das ist der Bruder von den drei Schwestern.
Was ist das? Hängt kopfüber in fünf Seilen und schaukelt und ist schwarz? Die Töchter von Bernarda Alba.
Wie kann das sein? Ein grünes Kleid, das blutet, das Blut auswäscht, bis es hautfarben am Körper klebt, aussieht wie nackt?
Wer...
Was für eine Tragödin! Am Leib von Nina Hoss als Medea wird das Schwarz wieder zu dem, was es einmal war: die Farbe des Todes, die Farbe der archaischen Landbevölkerung, die Farbe des großen Nein zur bunten Mittelstandswelt des in seiner Berliner Variante sehr gegenwärtig ausschauenden Korinth. Ausgerechnet die Barbarin aus dem halbwilden Kolchis ist unter den...
