Von Gleichen und Gleicheren

Problemfeld Identität: neue Stücke von Roland Schimmelpfennig, Mehdi Moradpour und Thomas Melle in Berlin, Wien und Bonn

Theater heute - Logo

Ein Mann kommt abends zur Tür herein, zurück in den Schoß der Kleinfamilie, und sieht sich selbst am Tisch sitzen. Verständlicherweise reagiert er nicht gerade begeistert, zumal die Restfamilie so tut, als wäre alles in Ordnung. So beginnen spätestens seit der Romantik Identitätskrisen, die den scheinbar festgefügten Alltag aus den Angeln heben. Bald werden sich noch andere Ichs verdoppeln, irgendwann wird sich die Wirklichkeit in Traumwelten auflösen, die Zeit wird fliegen, die Perspektiven tanzen, der Verstand dankt ab, die scheinbar sicher gefügten Realitäten lösen sich auf.

So jedenfalls bei E.T.A. Hoffmann, der ein Meister solcher Erzähltricks war, um damit sein Biedermeier aus dem Restaurations-Sofa zu wirbeln. Auch Botho Strauß, der literarische Zauberlehrling der bleiernen Vorwende-Bundesrepublik, hat sich später immer wieder gerne der alten Kniffe bedient.

Und Roland Schimmelpfennig? In «Der Tag, als ich nicht ich mehr war» greift er sich zwar das gute alte romantische Doppelgängermotiv. Erst verdoppelt sich der Mann, und keiner merkt es, dann merken es die anderen und er nicht, dann verdoppelt sich die Frau und es kommt zum Identitäts-Vierer mit wechselseitigen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Subkultur: Tumbling Tumbleweed

Immer ganz leicht abseits vom Mainstream: Voguing entstand Ende der Siebziger in den Ballrooms von Harlem, als Tanz, der sein Bewegungsrepertoire dem Laufstegverhalten der Haute Couture entlieh. Eine grundsätzlich für die Popkultur anschlussfähige Ästhetik, die hier, unter Latinos, Afroamerikanern, Schwulen und gesellschaftlichen Außenseitern auch ein Moment der...

Vorschau - Impressum (3 2018)

Pläne der Redaktion

Der Heizer Robert Smith will sich einfach nicht anpassen in der westlichen Welt. Perfekter Stoff für Frank Castorf: Eugene O’Neills «Der haarige Affe» in Hamburg.

#MeToo: Julia Riedler, Judith Rosmair und Hildegard Schmahl über Theaterarbeit, Macht und Männer.

Er war in den 60er Jahren ein Bühnenrevolutionär, dessen Entwürfe auch heute noch ...

Daten (3 2018)

Aachen, Grenzlandtheater
14. nach Rostand, Cyrano de Bergerac
R. Ulrich Wiggers
 
Aachen, Theater
16. nach Fassbinder, Die bitteren Tränen der Petra von Kant
R. Martin Schulze
22. Dlé, Android ergo sum (U)
R. Florian Hertweck
24. Schiller, Die Räuber
R. Ewa Teilmans

Augsburg, Theater
10. Ripberger, 1968: Geschichte kann man schon machen, aber so wie jetzt ist’s halt scheiße...