Verzweifelte Rituale

Das F.I.N.D.-Festival an der Berliner Schaubühne

Theater heute - Logo

«Wir vermissen einen Freund», sagt der Pfarrer beim Begräbnis über den plötzlich verstorbenen Mittvierziger Stuart Jackson. «Vielleicht nicht gerade einen echten Freund», räumt er ein, «einen der zuhören konnte oder einem das Gefühl gab, wichtig zu sein ...»

Der Männerkultfilm «Husbands» von Independent-Pionier John Cassavetes offenbart schon zu Beginn die Fallhöhe seiner Protagonisten: Gus, Harry und Archie stehen am offenen Grab ihres gemeinsamen Freundes.

Von der Endlichkeit des Lebens derart vor den Kopf gestoßen, erinnern sie sich an das grenzenlose Glücksversprechen, das ihr Leben einmal war, bevor sie es unter ihrem selbstgebauten Eigenheim in irgendeinem Vorort von New York begraben haben. Selbst tagelange Trunkenheit hilft bei einer progressiven Midlife-Crisis nur bis zum Erbrechen. Bei Glücks­spiel und Nutten in London angekommen, scheitern sie – zutiefst komisch und erbärmlich zugleich – an sich selbst und an den ehrlich verzweifelten Ritualen einer Männerfreundschaft, die nicht sprechen und nicht zuhören kann.

«Husbands» ist nach «Opening Night» und «Faces» Ivo van Hoves dritte Bühnen-Adaption eines Cassavetes-Films. Damit gehört sie zwar nicht unbedingt in die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2012
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Anja Quickert

Weitere Beiträge
Premieren im April · On Tour

Aachen, Grenzlandtheater
16. Walser, Das fliehende Pferd
R. Catharina Fillers

Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
1. Cooney, Cash – Und ewig rauschen die Gelder
R. Dietrich Kunze

Aschaffenburg, Stadttheater
28. Kirchner, A.M.I.L.O. – Alte Männer in lächerlichen Outfits (U)
R. Heinz Kirchner

Augsburg, Theater
13. Kater, We are camera/jasonmaterial
R. Lilli-Hannah Hoepner

B...

Berlin: Maxim Gorki Theater (Studio), Schaubühne

Der Waldorf-Schüler, Ex-Barkeeper und Auto-Didakt Juri Sternburg, Berliner vom Jg. 1983, hat sich in einem Interview einmal einen «sinnsuchenden Alles- und Nichtskönner» genannt. Unter dieses Label könnten vermutlich auch Andrej und Igor schlüpfen, zwei merkwürdig vage zwischen Fick dich! und Shakespeare changierende Junkies, die ihre Sinnsucherfragen an keinen...

Hinter Glas

Die Sonne scheint. Das Alpenpanorama leuchtet, freudig läuft der Hund vorneweg, wackelig auf wenig bergtauglichen Schuhen folgt ihm die Frau. Und dann ist da plötzlich – nichts. Ein Nichts, das ein Ende ist. Es geht nicht weiter, obwohl die sich hinabschlängelnde Straße ins Weite zu führen scheint. Denn da ist die unsichtbare «Wand».

In Julian Pölslers...