Verstrahlte Romantik

David Bösch inszeniert Büchners «Woyzeck»

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Es ist eine Nachkriegswelt, in der David Bösch seine «Woyzeck»-Fassung spielen lässt. Vielleicht hat sogar eine atomare oder biokriegerische Apokalypse stattgefunden. Die Mad-Max-artigen Kostüme der Figuren und die mutantenhafte Blässe legen das nahe. Sie hausen in einer Art unterirdischem Bunker. Manchmal macht die Großmutter (Jutta Wachowiak) zaghafte Versuche, durch das kratergroße Loch in der Decke hinauszuspringen, aber sie gibt immer sehr schnell auf, als wüsste sie, dass draußen nichts Lebenswertes wartet. Vielleicht erklären Strahlen auch die Impotenz des Tambourmajors.

Und womöglich ist sogar der Kinderwagen von Woyzeck und Marie leer und ihr Baby nur eine Fiktion, mit der sie den Glauben aufrecht erhalten, es könnte eine Zukunft geben. 

Wenn es keinen biologischen Ursprung hat, sondern nur ein kostbares Symbol ist, würde das erklären, warum der Tambourmajor (Nicola Mastroberardino) das Baby umstandslos zu seinem eigenen erklärt – obwohl er doch zu einer Zeugung nicht fähig wäre. Dieser Offizier ist im Essener «Woyzeck» ein charismatischer Lederbösewicht mit der Aura eines knurrenden Punk-Luzifers. Doch in einem der schönsten Momente sagt Marie (Nadja Robiné) dem Macho aufs ...

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Theater heute Mai 2008
Rubrik: Theatertreffen 08, Seite 28
von Matthias Heine

Vergriffen
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