Vergangenheit en gros
Links und rechts hängen, stehen und ticken sie: Wanduhren, Standuhren, Kuckucksuhren aus Holz, Metall, Plastik. Hier hat jemand nicht nur Omas Dachboden ausgeräumt, sondern auch gleich den ihrer Nachbarn und Bekannten. Agnes heißt die Frau, die sich auf kleinteilige Nachlassverwaltung spezialisiert hat. Gelangweilt von ihrem Leben mit Mann und Tochter in spießiger IKEA-Gemütlichkeit, beginnt sie, Dinge zu horten. Fleißig studiert die gute Frau nun Zeitungsannoncen und vergnügt sich bei Haushaltsauflösungen.
«Der Nachlass» ist der dritte Theatertext der Münchner Autorin Maja Das Gupta und ihre erste Uraufführung. Ricarda Beilharz, von Haus aus Bühnenbildnerin, hat daraus in Wiesbaden ein Ausstattungsstück gemacht. Das bietet sich an, schließlich geht es um die scheinbar endlose Vermehrung von Dingen, die in diesen Stückzahlen kein Mensch braucht. 99 Vasen schleppt Agnes (Franziska Geyer) nach Hause, wo Ehemann Rudi (Wolfgang Böhm), ein dröger Kleinmanager bei Siemens, tagtäglich mit einem Blumenstrauß aufwartet. Diese routinierte Ehekosmetik wird er aber bald aufgeben, denn gegen die Sammelwut seiner Frau lässt sich nicht mehr mit Blumen sprechen. Selbst ist der Mann, und so versucht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Alles Walzer!» Am Ende des zweiten Aktes fassen sich in Stefan Ottenis Nürnberger Inszenierung von Arthur Schnitzlers Gesellschaftskomödie «Professor Bernhardi» die Herren (mangels Damen) um die Hüften und drehen sich linkisch-gespenstisch im Dreivierteltakt. Da ist die Donau schon lange grau und der Himmel über Wien hängt voll düsterer Gewitterwolken. Die liberale...
Irgendwo im weiten Land, mitten in der Steppe: Mirja und ihr gehbehinderter Mann Sascha leben auf einem schwer zu bewirtschaftenden Bauernhof und sind seit langer, vielleicht allzu langer Zeit ein Paar. Ihr Nachbar Palle ist ein Intellektueller auf Rückzug, der glaubt, ein Buch schreiben zu müssen. Eines über die Einsamkeit, die selbst gewählte natürlich, denn aus...
Alles ist heutzutage politisch, sogar Shoppen. Darf man alles tragen, was einem gefällt? Oder muss man an der Wühlkiste auch bedenken, ob für die Produktion des schicken Tops in Sweatshops geschuftet wurde? Ist es unmoralisch, bei H&M einzukaufen, obwohl man sich eigentlich teurere Kleidung leisten könnte? Die in Berlin lebende Grazer Modedesignerin Elisabeth...
