Unfinished Business
Ursprünglich wollte Toshiki Okada Filme machen. Doch nach einer ersten erfolgreichen Theaterregie-Erfahrung mit befreundeten Studierenden gründete er 1997 die Theaterkompanie chelfitsch (Babysprache für das englische «selfish» – also selbstsüchtig, egoistisch). Seitdem schreibt er in seiner Doppelfunktion als Autor- und Regisseur-in-Residence für chelfitsch und manchmal auch andere japanische Theaterkompanien Theaterstücke. Okada setzt in ihnen Tradition und Gegenwart auf eine Weise ins Verhältnis, die beides fremd erscheinen lässt. Er erzählt Geschichten aus einem Japan des 21.
Jahrhunderts, das vom beschleunigten globalen Kapitalismus geprägt ist, aber weiter ganz eigenen, lokalen Umgangsformen anhängt. In Okadas Stücken sehen wir Menschen, die in dieser sich wandelnden Welt einen aktiven Zugriff auf die sie umgebende Realität verloren haben. Und weniger kämpfen als flüchten: in die Erinnerung, in Trivialitäten, in den Konsum.
Nachdem Okadas Stücke bisher ausschließlich in Asien entstanden sind, schreibt er nun zum ersten Mal ein Auftragswerk für die Münchner Kammerspiele. «Nô Theater» (AT) wird sich der streng formalisierten Struktur der klassischen japanischen Theaterform ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 174
von Tarun Kade
Nachdem Mark Hayhurst seinen BBC-Film über Robespierre und den Terror der Französischen Revolution beendet hatte, war er auf der Suche nach einem neuen historischen Stoff. Schon immer wollte er einen Film über Antifaschismus in Deutschland drehen. Martin Davidson, der BBC-Beauftragte für Geschichte, kam ihm zu Hilfe und machte ihn auf den Fall des Hans Litten und...
Ein Raum in den Münchner Kammerspielen. Die beiden Schauspieler des Jahres fallen sich lachend um den Hals. Vor Jahren haben sie einmal zusammen am Wiener Burgtheater gespielt, in Jan Bosses «Othello»: Edgar Selge war Jago, Caroline Peters seine Frau Emilia. Das Ehepaar ist sofort wiederbelebt, als die Fotografin auftaucht. Edgar Selge zückt den Kamm: «Mit dieser...
Kein anderer Dramatiker lässt auf der Bühne so ekelhafte Grausamkeiten begehen wie der irischstämmige Martin McDonagh: Es wird gefoltert, was das Zeug hält, Körperteile werden abgeschnitten und Katzen erschossen. Nur erhängt wurde noch niemand – bis zu dem neuen Stück «Hangmen» («Die Henker»), geschrieben nach einer langen, viel zu langen Pause, die sich der Autor...
