Umgekehrter Marshallplan
Der Kulturaustausch beginnt mit einem hellgrün lackierten Schulbus, der vor das New Yorker Off-Spielhaus P.S. 122 vorfährt. «Road Theater USA» verkündet das solide Vehikel der deutschen Theatergruppe GTA (kurz für «German Theater Abroad») in selbstbewussten Großbuchstaben. Zwei Monate lang soll es die Ensemblemitglieder 6ooo Meilen weit und über 23 Zwischenstationen quer durch Amerika transportieren. Drei enthusiastisch aus dem Bus springende Schauspieler verteilen bei der New Yorker Premiere erst einmal Deutschlandfähnchen unter den wartenden Zuschauern.
Roland Schimmelpfennig hat eigens für diese Theaterexpedition das Stück «Start Up» verfasst, das das durchaus romantische Anliegen des GTA selbstironisch widerspiegelt. Die bettelarmen Kreativen Kati (Lisa-Marie Janke), Rob (Nils Nelleßen) und Micha (Nicolai Tegeler) versuchen darin, ein deutsches Theaterhaus in der amerikanischen Provinz zu gründen und mieten zu diesem Zweck ein Ladengeschäft. Der Logik des amerikanischen Einwanderertraums folgend, wollen sie Kapital aus ihrer nationalen Identität schlagen. Der schwarze Hausbesitzer Ike hat für dieses zugleich utopische und unwirtschaftliche Unternehmen wenig Verständnis, fasst ...
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Ein dünnes Rinnsal zackt quer über die Bühne von Barbara Ehnes. Düsteres Licht, sanftes Geplätscher, das in einem kleinen Vorbühnen-Schneerest versickert. Athen kann sehr kalt sein, und selbst die größten griechischen Helden frieren erbärmlich, wenn man ihnen die Sonne abdreht: Stephan Bissmeier zittert beschaulich auf kargem Holzschemel wie der alte Bauer, dem die...
Ein Mann, er heißt Oliver, hetzt nächtens durchs vorweihnachtliche Berlin. Mit einem Feldstecher und einem Fläschchen Chloroform bewaffnet, steuert er seinen kleinen Transporter dorthin, wo er die Einsamen vermutet, und sammelt ein: Die Frau seines Chefs, eine Seniorin, die im Heim vor einem Piccolo sitzt, einen Jungen, der auf dem Spielplatz schläft, er lauert...
Man kann’s ja mal versuchen. Als seine Kollegin Barbara (Nicole Averkamp) aus der Küchenabteilung erschöpft auf seinem Ausstellungsstück Platz nimmt, da preist der Bettenverkäufer Tibor (Jan Schreiber) ihr die Vorzüge der Matratze an. «Man muss ja nicht das ganze Bett nehmen.» Um sich gleich darauf zu entschuldigen: «Ich möchte nicht, dass du das falsch verstehst.»...
