Trikottausch beim Abstiegskampf
Als neugierig lauernde Kollegen, Nachbarinnen und Passanten, als geisterhafter Sichtschutz fürs Bettgeflüster im Schwarzlicht, als Insignien für Berufs- und Kontostand – die Kostüme spielen die Hauptrolle in Anne Lenks Inszenierung von «Kleiner Mann – was nun?» am Theater Augsburg. Gut 120 Anzüge, Blümchenkleider, Kittel, Uniformen und Mäntel lässt Bühnen- und Kostümbildnerin Halina Kratochwil auf Kleiderbügeln an langen Schnüren auf die schwarze Bühne heruntersausen.
Sie bremsen auf Schulterhöhe, dann hängen sie da: 120 Rollen, die gespielt, 120 Leben, die gelebt werden könnten. Wenn Tjark Bernau als Johannes Pinneberg abgebrannt und entwürdigt durchs Berlin der Krisengewinnler schleicht, geraten diese Kleider-Wesen ins Schwanken, werden im irren Licht vorbeirauschender Autos zur unheimlich lebendigen, abweisenden Menschenmasse. Kratochwils Szenerien eröffnen eigene
Erzählebenen, hier die Klamotten als stumme Stellvertreterinnen einer entsolidarisierten Gesellschaft, in «Bernarda Albas Haus», ihrer letzten Arbeit mit Lenk in Augsburg, die Bühnenraum füllende Übermutter-Puppe, auf und unter deren ausladendem Reifrock die Töchter hausten.
Lenk inszeniert Luk Percevals ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2015
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Cornelia Fiedler
Die Theaterzeitschrift
im 56. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Martin Krämer
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709 Berlin,
Telefon 030/25 44...
«Ab jetzt bestimmt die Fiktion die Wirklichkeit!» Der Mann mit der Pelzkappe reißt das Fenster zur Straße auf. Eine frische Brise, Autolärm und Vogelzwitschern dringen in den stickigen Theaterraum hinein, und er brüllt hinaus: «Wir lassen uns von Gott nicht mehr umbringen!» Mit Revolvern hatte der Bärtige, der Anarchist Michail Bakunin, zuvor in den Theaterhimmel...
Natürlich ist die schwedische Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter irrsinnig berühmt. Also noch viel berühmter als der schwedische ESC-Sieger. Und natürlich hat Christoph Marthaler eine seit Jahrzehnten gut gefüllte Zaubertrickkiste, aus der man immer mal wieder schnell ein paar Sächelchen zu einem Abend zusammenklauben kann. Und dann kann man ein paar...
