Theater ohne Mantel
Was für ein schöner Titel: «Theater des Jahres 2008». Dankeschön, liebe Kritiker! Wir werden dieses Prädikat feiern, und Bernd Wilms, der im Abgehen ausgezeichnete Intendant, wird zum Anstoßen auf seiner alten West-Ost-Route von Charlottenburg nach Mitte in die Schumannstraße geradelt kommen. Glückwünsche werden jederzeit gerne entgegengenommen, unsere Grafik bastelt bereits an einem Jubel-Logo für die nächsten Drucksachen, und alle am Haus dürfen sich gemeint fühlen, auch der zweite Dramaturg von links, der hier ein bisschen versucht, für alle zu sprechen.
Das ist schwierig genug, ich sag jetzt mal trotzdem immer wir, wenn ich das Deutsche Theater und meine Kollegen meine.
Auszeichnungen nimmt man ernster dann, wenn man sie selber bekommt, das ist wohl ein Naturgesetz. Deshalb sei zur Einleitung dieser feierliche Ton gestattet. Alles Misstrauen, das Theaterleute gegen Kritiker völlig zu Recht hegen, will heute vergessen sein. Schon sehe ich mich in die ebenso peinliche wie schmeichelhafte Lage versetzt, darüber nachzudenken, was man – im undurchsichtigen Kollektiv von Künstlern einerseits sowie auch sonst diesseits und jenseits der Bühne – möglicherweise richtig gemacht hat. ...
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Willkommen zum Talentetag. Wenn man vor so talentierten Menschen sprechen soll, ist das eine beängstigende Ehre.
Mein Name ist Simon Stephens. Ich bin Dramatiker. Ich werde heute Vormittag über Talent reden. Darüber, was dieses Wort bedeutet. Was das für eine Eigenschaft ist. Und woher sie kommt. Weil ich Dramatiker bin, kann es gut sein, dass mein Vortrag auf...
Wenn man Ulrich Matthes morgens nach dem Wetter fragt, hat er schon drei Zeitungen gelesen, berichtet Bernd Wilms.
Jens Harzer streicht nach jedem Satz über die Wirtshaustischplatte, als müsse er ein paar innere Wogen glätten, ohne dass man erfährt, woher der Wind weht. Hat Christopher Schmidt beobachtet.
Constanze Becker habe so eine Art Ur-Instinkt gegen jegliche...
Eine Zweite, die schon oft Erste war, ist Sandra Hüller. In Tom Lanoyes Antikenbearbeitung «Mamma Medea» lehrt die Nachwuchsschauspielerin des Jahres 2003 als kolchische Königstochter nicht nur die Korinther das Gruseln. Hüllers radikal Liebende scheitert in der (ihrerseits zweitplatzierten) Inszenierung von Stephan Kimmig von Anfang an daran, Liebe und Identität...
