Tamtam und Größenwahn
Mit neuer Dramatik sind Münchner Theatergänger in den letzten Jahren nicht allzu oft konfrontiert worden. Johan Simons pflegt an den Kammerspielen als Uraufführungen, ganz im Stil des Vorgängers Frank Baumbauer, vor allem Roman- und Filmbearbeitungen, wenn sich nicht gerade ein neues Werk von Elfriede Jelinek oder René Pollesch bietet oder Sebastian Nübling Lust auf Neues hat (Zaimoglus «Alpsegen» und jetzt Simon Stephens’ «Three Kingdoms»). Und Dieter Dorns klassizistisches Residenztheater konnte mit neuen Stücken fast gar nichts anfangen.
Das Feld liegt ziemlich brach, und Dorn-Nachfolger Martin Kusej hat in seinem Neuerungsehrgeiz angekündigt, es künftig wieder zu bewirtschaften.
Die Schauspieler sind nicht da
Das ist erfreulich. Kurios allerdings, dass die allererste Uraufführung am neugedachten Haus eigentlich nur höchst rudimentär im Theater stattfand. Was Helmut Krausser sich mit «Eyjafjallajökull-Tam-Tam» auftragsgemäß hat einfallen lassen, ist ein simultanes Szenenpanoptikum, das seiner eigentlichen Bestimmung erst im Internet zugeführt wird: die Präsentation des nagelneuen Ensembles, das größte in Deutschland. Ein Stück mit 55 Rollen sollte Krausser schreiben; das ist ...
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Theater heute Dezember 2011
Rubrik: STARTS/AUFFÜHRUNGEN, Seite 9
von Barbara Burckhardt
Die arabischen Frühlingswinde hatten schließlich auch das im Berlusconismus erstarrte Italien erreicht und hier einen Sturm in der Theater-Landschaft entfacht. In seinem Zentrum steht das Teatro Valle in Rom, das am 14. Juni 2011 von einer Gruppe von Regisseuren, Autoren, Schauspielern, Kostümbildnern, Technikern und Aktivisten besetzt wurde und seitdem Teatro...
Überregional wahrgenommen für seinen Diskussionsanstoß zur Zukunft des Stadttheaters, hat das Theater Freiburg momentan nur ein Sorgenkind: das Kleine Haus, das eigentliche Domizil des Schauspiels. Man habe, sagte Intendantin Barbara Mundel der örtlichen Zeitung, den Bogen vielleicht mit «zu vielen unbekannten Stücken» überspannt, das Haus war zuletzt nur zu 65...
Eine Herbstreise durch die Romane inszenierende Theaterlandschaft könnte endlos dauern. Tatsächlich ist ja, seit Frank Castorf irgendwann Mitte der 1990er Jahre anfing, schwere Russen-Romane oder feuilletonistische Zeitgeistergüsse in exaltierte Bühnenwelten zu verwandeln, aus dem interessanten Sonder- ein dramaturgischer Normalfall geworden. Ein Paradox befeuert...
