Sweatshop Stadttheater

Zum elften Mal präsentieren die deutschen Regieschulen ihre Arbeit beim Körber Studio Junge Regie in der Hamburger Gaußstraße

Theater heute - Logo

Vier Studenten machen einen Ausflug. Per Regionalzug geht es nach Dresden, weiter per Mietwagen in die Lausitz. Ins Wolfsrevier. In die versehrte Landschaft. Ins Herz der Finster­nis.

«Steppengesänge» von Adele Dittrich Frydetzki, Kristina Dreit, Marten Flegel und Anna Froelicher ist ein vielfach geloopter Reisebericht, der bei jeder neuen Umdrehung ein Stück weiter ins Mythische lappt: Zunächst gibt es nur kleine Irritationen, bald aber nimmt die Erzählung apokalyptische Züge an, die Lausitz versinkt im Tagebau, Performer und Publikum tauschen die Position, und irgendwann sehen wir keine Studenten mehr, sondern vierbeinige Wesen. Wölfe, Halbwölfe, Werwölfe.

«Steppengesänge» ist ein freies Projekt, entstanden am Institut für Medien und Theater der Uni Hildesheim, das in leicht anderer Form einen Jurypreis beim diesjährigen 100°-Berlin-Festival bekam und den aktuellen Stand der Postdramatik nahezu perfekt verkörpert: Spiel mit Rea­li­tätsebenen, Fake-Lectures, Humor, Wissen um Pulp und Popkultur. Adele Dittrich Frydetzki, Kristina Dreit, Marten Flegel und Anna Froelicher wissen, wie man Spannung erzeugt, sie nutzen Bühnenraum wie Technik virtuos, sie bauen mit einfachen Mitteln ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2014
Rubrik: Nachwuchs, Seite 38
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
In der Propagandafalle

Wenn der Schluss nicht wäre, das Urteil über Milan Peschels Adaption der Geschichte vom «Mädchen Rosemarie» fiele verdammt eindeutig aus. Peschel greift sich den Mythos der westdeutschen Linken und erzählt nach einem Text von Soeren Voima sehr simpel die Geschichte einer Prostituierten als Parabel auf das böse Nachkriegs­westdeutschland. Das Foyer des Hotels...

Mehr Gage!

Es soll ja Künstler geben, gerade im Theater, denen Geld nicht so wichtig ist. Für sie haben die Tarifpartner, der Deutsche Bühnenverein als Arbeitgeberverband und die Künstlergewerkschaften, eine schlechte Nachricht: Es gibt ein bisschen mehr davon. Alle im Tarifvertrag NV-Bühne Versammelten – also beispielsweise festangestellte Schauspieler, Dramaturgen oder...

Ehrenhampelmänner

Über Morde lacht man nicht. Mord als Unterhaltung gibt es nur im Krimi- oder Horrorgenre. Und Ehrenmorde gar, die moralisierten Grausamkeiten, sind in Deutschland Anlass für reale Justiztragödien (Berliner Ehrenmord an Hatun Sürücü) oder pädagogisch wertvolle Jugenddramen (Lutz Hübners «Ehrensache») oder für verfassungsrechtliche Auseinandersetzungen über das...