Stolpern in Becketts Schuhen

Nis-Momme Stockmann «Die Ängstlichen und die Brutalen» (U, Kammerspiele)

Theater heute - Logo

So schnell geht’s: Vor einem Jahr war man noch überrascht von Nis-Momme Stockmanns berührend rückhaltloser Darstellung ohnehin antriebsarmer Söhne, die durch die Gegenwart des Vaters völlig paralysiert werden. Jetzt meint man schon, sie wiederzuerkennen. Und dennoch ist das jüngste Stück keine bloße Variation des Bekannten, sondern eher eine Mischung aus Weiterentwicklung und Reduktion.

Denn bisher waren diese Angstbeschwörungen eingebunden in größere Konflikte mit der Außenwelt, etwa dem kapitalistisch-sozialen Gesellschaftsnetz («Der Mann der die Welt aß») oder der Seelensaftpresse des Theaterbetriebs («Ein Schiff wird kommen»). «Die Ängstlichen und die Brutalen» hingegen docken nur noch an sich selber an.

Es treten auf: die Brüder Berg und Eirik, die ihren Vater tot in dessen Wohnung auf­finden – im Sessel verstorben mit, wie sich beim Näherkommen herausstellt, Katzenkacke auf und eigener Notdurft in der Hose. Was tun? In einer Mischung aus Scham, Ekel und Ringen um einen Rest Würde wird die Leiche gewaschen und aufs Bett gelegt – woraufhin sich erst recht keiner der beiden mehr traut, einen Bestatter oder die Polizei anzurufen: «Wie sollen wir das erklären ... Dass er hier auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2011
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Andreas Jüttner

Weitere Beiträge
Blühende Landschaften

Du wirst die Chancen, die vor Dir liegen, erfolgreich nutzen», verspricht der Glückskeks, den mir Anthony Chu in seinem kleinen Projekt-Wohnwagen auf der Parkplatztristesse vor dem vietnamesischen Groß­handelscenter «Dong Xuan» in Berlin-Lich­tenberg mit auf den Theaterweg gibt. Dong Xuan heißt so viel wie «Blühende Frühlings­wiese» und grenzt hier an Ironie: Vom...

Der Regisseur kommt nicht mehr

Eine der schönsten, kindlichsten, aber natürlich auch alleraltmodischsten Verabredungen im Theater ist, dass das Publikum das, was auf der Bühne erscheint, für die Dauer des Spiels als «wahr» betrachtet. Marius von Mayenburg, Hausautor, Dramaturg und mittlerweile auch Regisseur an der Berliner Schaubühne, hat eine surreale Komödie geschrieben, in der diese...

Theater in TV und Hörfunk

Fernsehen

Samstag, 1.
19.00, Theaterkanal: Theaterlandschaften: 
Staatstheater Braunschweig – ein Film
von Dag Freyer

Sonntag, 2.
14.00, arte: Lust auf Theater: Grimms Märchen –Das Mädchen ohne Hände, Regie Olivier Py. Aufzeichnung aus dem Centre Dramatique National in Orléans (2006)
21.00, arte: Die Bartholomäusnacht –
französischer Spielfilm (1994) von Patrice Chéreau,...