Sterntalerkind
«... oder Ein Puppenhaus»: Den Titel wörtlich nehmend, dreht sich Nora als Ballerina im Babydoll und mit plustrigem Rothaar auf giftgelbem Boden der Oberhausener Bühne, die bis auf eine grellgrüne Tannenbaum-Silhouette leer und von jederlei bürgerlichem Inventar verschont bleibt. Nora gehört ganz ins 19. Jahrhundert. Aber diese hier nicht in ein Salonstück und realistisches Seelendrama.
Sie entstammt vielmehr der Schauerromantik – und ist darin eine domestizierte Shockheaded Petra, die Manja Kuhl gespreizt, geziert und überreizt zum manischen Wesen in Tüll und Opfer einer vampiristischen Umgebung auf die Spitze treibt.
Man wartet nur darauf, dass E.T.A. Hoffmanns Automatenhersteller Coppelius, der zusammengenähte Boris Karloff oder Frankensteins Braut aus den Kulissen treten. Das tun stattdessen eine sich exaltiert gebärdende, schwarz geränderte Frau Linde (Nora Buzalka) sowie drei blutlose, spärlich frisierte Herren im Bratenrock. Torvald Helmer (Torsten Bauer), der seinem Namen alle Ehre machende und sich heillos verausgabende Dr. (K)Rank (Henry Meyer) und der Finanz-Filou Krogstad (Jürgen Sarkiss) pfeifen als lebende Leichen schon aus dem letzten Loch. Was sie nicht hindert, ...
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Zum Glück gibt es den Hund. Titelheld, Referenzvieh, Kommentator. Bakunin heißt er, spricht wie ein Buch und ist somit in keinem Haustier-Klischee auch nur ansatzweise unterzubringen. In Dirk Lauckes (Anti-)Gentrifizierungsposse «Bakunin auf dem Rücksitz», von Sabine Auf der Heyde in den Kammerspielen des Deutschen Theaters uraufgeführt, ist der Hund des toten Jörg...
Das Unbehagen in der Kultur» ist anscheinend Privileg derer, die für Kultur verantwortlich sind. Schon Sigmund Freud zog 1930 ein kritisches Resümee der Moderne und ihrer Errungenschaften, zu denen auch die Psychoanalyse zählt: So sehr der Mensch sein Triebleben zugunsten der Beherrschung der Natur auf Eis gelegt habe, die Aggression verschwinde so nicht aus der...
Wenn du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht tatsächlich hinter dir her sind. Nach diesem Prinzip singen Kinothriller gern das Loblied auf das aufrechte Individuum, das gegen alle Widerstände die Schweinereien eines manipulativen Systems aufdeckt. Ein paar von diesen Filmen hat offenbar auch Peter Evans gesehen: Der anfangs nur verklemmt-schüchtern...
