Sportliche Zeilensprünge
Da steht ein junger Mann mit Bärtchen in einem kleinen Raum, der trotz seiner Transparenz – er ist aus dunklen Gazevorhängen gebildet – klaustrophobisch anmutet und als einziges Möbelstück einen schwarzen Stuhl enthält. Keinen Schrank. Der Mann mit Bärtchen heißt Wolf. Er raucht. Er trägt einen konservativen Anzug, eine dezent gestreifte Krawatte und einen Trenchcoat; sein Handy hat einen sehr schönen Klingelton. Wolf telefoniert mit seiner Frau/Freundin (einmal schmatzt er ein Küsschen aufs Handy) und mit einem Reisebüro, um einen Flug zu buchen.
Bei den Zeilen «nein ich möchte nicht / am fenster sitzen gang / ich bevorzuge den gang» wird er laut; anscheinend hat Wolf schwache Nerven. Und einmal telefoniert er auch mit seinem Vater, aber dafür benutzt er eine Zigarettenschachtel. Denn Wolfs Vater ist tot, man kann nicht wirklich mit ihm telefonieren. Das Vatertelefonat ist Theater.
Das Theater des Albert Ostermaier hat gewiss seine Verdienste. Seine Abstraktionsleistung und seine Fähigkeit, mit einem gewissen Chic zeitgeistige Themen und Sujets in eine geschmeidige Sprache zu bannen, übersteigt indes bei weitem seine szenische und dramaturgische Fantasie. Das Monodrama ...
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Zwei Paare, vier Sterne, ein Apfelbaum. Jana geht mit Kalle; Susann geht mit Anton. Die Sterne sind vermeintliche Designerdrogen und angeschafft, damit man in dieser Nacht mal «was spürt». Der Apfelbaum weist Richtung Sternenhimmel. Susann sagt: «Die Sterne. / Mit der ganzen Zeit, die sie haben. / Hängen da oben rum. / Wie Kinder ohne Zukunft.» Die Vier warten...
Zuletzt habe ich ihn vor einem guten Jahr gesehen, als fanatisch intoleranten Patriarchen in Lessings «Nathan der Weise» am Schauspiel Frankfurt. Erst saß er still auf einer Bank links über dem Abgrund, zu dem sich die Bühne geöffnet hatte. Als er drankam, ging er, von einer kostümierten Souffleuse begleitet, auf seinen Ex-Kathedra-Platz hinten über dem Abgrund,...
Wenn sie unterrichtet, steht die «Klavierspielerin» Erika Kohut, so wie Isabelle Huppert sie bei Michael Haneke spielt, gern am Fenster ihres Studierzimmers der Wiener Musikakademie und schaut nach draußen. Das Fenster ist geschlossen, der Raum schalldicht und gefühlsresistent abgedichtet. Eine Welt ohne Welt.
Auf der Bühne des Palais Garnier der Pariser Oper, wo...
