Spiraldramaturgien
An zwei Stellen unterbricht plötzlich ein Formular der Armee den Text. Beim ersten Mal ist es ein Dokument der Gegenstände (Bett, kugelsichere Weste, Feldgeschirr etc.), die einer Soldatin zur Einberufung ausgehändigt werden. Beim zweiten Mal der Untersuchungsbericht eines Militärgerichts: Bei einer nächtlichen Überfallsübung hat eine Soldatin sich unzulässigerweise mehr als drei Meter von ihrer ordnungsgemäß unter der Matratze gelagerten Waffe entfernt und ist im Pyjama durchs Lager geirrt.
Beide Male schummeln sich Sätze aufs offizielle Papier, die eigentlich nicht hierher gehören: die Erinnerung an Papas Luftgitarrenkünste bei Dire Straits «Money for nothing» sowie der Satz: «Oder: Die einzige Form, mit der ich mich identifiziere (…) ist eine Spirale.»
Tatsächlich bohrt sich die israelische Dramatikerin Sivan Ben Yishai in «Oder: Du verdienst deinen Krieg (Eight Soldiers Moonsick)» geradezu spiralförmig in ihr Thema, den Wehrdienst für Frauen in Israel. Verblüffend poetisch und körpernah ist dieser Text über die brutale Initiation junger Frauen im Land mit dem größten Pro-Kopf-Militäretat der Welt, in dem sie zwei (Männer drei) Jahre Wehrdienst leisten müssen und ...
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Theater heute Januar 2020
Rubrik: Neue Stücke, Seite 25
von Eva Behrendt
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Nicht, dass niemand es hat kommen sehen! Eine riesige, hässliche «Welle» aus Polstern, Kissen, in gewaltige Säcke gestopften Hüpfbällen und Füllmaterialien wälzt sich in Zeitlupe aus der Bühnentiefe in Richtung Rampe. Anscheinend wird sie von vier Showcase-Beat-Le-Mot-Performern nach vorne geschoben (gelegenlich sieht man zufällig einen Arm oder Kopf). Etliche...
Wie heißt er denn jetzt umgangssprachlich, der Cunnilingus, der Blow Job für die Frau? Ein merkwürdig bezeichnungsfreier Akt ist das, und das spricht natürlich auch schon für sich. Olivia Öl jedenfalls hätte gern einen, oder mehrere – aber nicht von ihrem Freund Popeye. Da ist die Scham davor: Die Scham vor dem Geruch, vor dem Geschmack, vor dem Überhaupt ihres...
