Spinning for Life

Esther Holland-Merten über Susanna Mewes «Die Handgriffe der Evakuierung»

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Drei Flugbegleiterinnen, namenlos, gefangen im interkontinentalen Streckennetz. Ihre Rolle zwingt sie, sich inmitten des sie umgebenden unaufhörlichen Treibens dem Korsett genau choreographierter Bewegungsabläufe anzupassen. Ihr Sprechen ist lehrgangsgeschult. Ihr Umgang mit problematischen Fluggästen entnehmen sie dem Handbuch zur Psychologie von Angstpatienten. Sie wissen, wie sie sich zu verhalten haben. Sie sind das «erste Bild, das die Airline auf die Netzhaut des Kunden stanzt». Ihr Aussehen ist standardisiert. Sie wissen, wie sie zu wirken haben.

Ein Heer von Weisungsbefugten wacht über sie. Die Erwartungen sind hoch, und es gilt, sie zu erfüllen. Sie wissen, wie sie zu funktionieren haben.

Rita ist Professorin für Literaturwissenschaft. Sie kämpft mit den Nebenwirkungen einer Krebsbehandlung, während sich ihr Selbstbild aufzulösen beginnt. In Rückblenden erinnert sie sich an die Stadien ihrer körperlichen Selbstentfremdung, in denen sie sich medizinischen Behandlungsszenarien hilflos ausgeliefert sah. Für Gloria, eine Studentin, hat sie Mann und Kinder verlassen. In Gloria sieht sie sich selbst, wie sie einmal war. In ihr kann sie den Spiegel finden, in dem kein Verfall ...

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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 166
von Esther Holland-Merten

Weitere Beiträge
Uraufführungen und deutschsprachige Erstaufführungen der neuen Spielzeit

Uraufführungen 

      
A
Frank Abt/Dirk Schneider Wenn die Sonne immer noch so schÖn scheint … (Theater Osnabrück) ·· Andcompany & Co. nach Schiller Der (kommende) Aufstand (Oldenburgisches Staatstheater) ··Sefi Atta Hagel auf Zamfara (Theater Krefeld/ Mönchengladbach)

B
Lukas Bärfuss ZwÖlftausend Seiten (Schauspielhaus Zürich) ·· Martin Baltscheit Die besseren...

Wutbürger nach Berlin!

Es ist merkwürdig: Eigentlich gilt Berlin als Zentrum der Unzufriedenen und Protestierenden und Stuttgart als Ort, wo Reichtum und Zufriedenheit herrschen. Und jetzt ist Stuttgart das revolutionäre Zentrum und Berlin die Insel der Spießigkeit. Berlin hat sich aufgelöst in viele Szenen, die immer auf der Jagd nach den eigenen Projekten sind. Das eigene Leben...

Am Boden geblieben

Heute, gestern oder in naher Zukunft. «In der ausgeräumten Chefetage eines längst aufgegebenen Hochhauses», wie der Autor den Spielort der ersten Szene mit dem Titel «Ich bin da» beschreibt, treffen sich nach langer Zeit zwei alte Freunde aus Studententagen: ICH und ER, beide mittlerweile Anfang fünfzig. Einst wollten sie die Sterne vom Himmel holen, so viel Liebe...