Spielwelten
Die Zeitspanne vom Erscheinen eines Romans bis zu seiner Adaption für die Bühne schrumpft immer mehr.
Bei «Schilf», dem Krimidebüt der gefeierten Jungjuristin und Erfolgsautorin Juli Zeh – einem Buch, das neben einem mörderischen akustischen Missverständnis und einem moribunden Kommissar auch noch mit verzwickten physikalisch-philosophischen Debatten über das Wesen der Zeit aufwartet –, hat es von August bis Mitte Dezember gerade mal vier Monate gedauert, bis im Münchner Volkstheater die Bühnenfassung der jungen Regisseurin Bettina Bruinier und der Dramaturgin Katja Friedrich Premiere hatte. Und trotz häufig berechtigter Zweifel am Sinn solcher Zweitverwertung hat die griffige Bearbeitung der beiden jungen Theaterfrauen dem zuweilen etwas weit schweifenden Ausgangsprodukt sogar ganz gut getan.
Zwei Physiker, der nobelpreisverdächtige Oskar und der nicht ganz so geniale Sebastian, haben ihre Freiburger Studienzeit in einer Art erotisch grundierter intellektueller Symbiose verbracht. Nun droht Sebastians trautes Familienglück mit der hübschen Galeristin Maike und Söhnchen Liam die physikalische Passion der beiden Freunde zu untergraben. Zudem lässt er sich, mittlerweile selbst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Im Jahr 1968 veranstaltet eine Gruppe von Studenten einen Stafettenlauf vom Theodor-Heuss-Platz, dem Sitz der damals frisch gegründeten Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin, zum Rathaus Schöneberg. Mit einer roten Fahne in der Rechten reklamieren sie an Autos und Passanten vorbei hintereinander weg den Stadtraum. Inszeniert hatte diese Aktion der Filmer Gerd...
Es ist dieser Aufkleber an der Tür zu dem kleinen, abseits und verwunschen im Grünen am plätschernden Landwehrkanal gelegenen Theater in Eisleben, der einem klar macht, dass mit dieser Idylle irgendwas nicht stimmt. «Aktion Noteingang – Wir bieten Schutz und Information bei rassistischen und fremdenfeindlichen Übergriffen» steht da, und dann tritt man ins Foyer...
Mutterliebe ist ein Konstrukt», konstatierte im «Spiegel» schnöde Elisabeth Bronfen, Expertin für Gender-Fragen – ein Kommentar von vielen, in der Regel erheblich rührseligeren zum Thema Kindsmord, das nicht nur die Vermischten Seiten zur Adventszeit füllte. Acht tote Kinder in Darry und Plauen, von den eigenen Müttern getötet, im Wahn, aus sozialer Verwahrlosung,...
