Spiel mit dem Lied vom Tod
Amerika eignet sich derzeit im Theater für die eigene Standortbestimmung besonders gut. Cowboyhüte und der Wilde Westen haben Hochkonjunktur auf deutschen Bühnen und taugen vorzüglich, um individuelle wie gesellschaftliche Befindlichkeiten kurz zusammenzufassen.
Auch Ralph Hammerthaler siedelt sein Auftragswerk, eine Koproduktion des Theaters an der Ruhr mit dem Forum Freies Theater, im Westerngenre an. Ausgehend vom Amoklauf des Schülers Robert S.
in Erfurt geht er allerdings einen entscheidenden Schritt weiter: Seine Geschichte vom Jungen Carlos, der seinen Lehrer erschießt, sich eine Zeitlang als Outlaw rumschlägt, am Ende aber doch gestellt wird, ist nämlich alles andere als ein Western. Doch die Western-Dramaturgie der Gegensätze ist wie eine groteske Kostümierung und lässt die Hilflosigkeit unserer Erklärungsmodelle umso stärker hervortreten. Die Verteilung der mit Computerspielen und Waffen sozialisierten Kids auf das typische Westernpersonal von Hilfssheriff, Gesetzlosem und Bardame zeigt stets auch ihr Nicht-Aufgehen in diesen klar definierten Rollen und Posen. Stark sind seine lakonischen, aber auch brutalen poetischen Bilder und Zustandsbeschreibungen in den Monologen, ...
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Eigentlich wollte Andrzej Stasiuk sein erstes Theaterstück seinen verstorbenen Großmüttern widmen. Beiden hat der polnische Schriftsteller viel zu verdanken: «Sie wunderten sich nicht. Die eine nahm die Gegenwart der Geister wie selbstverständlich, für die andere war es alltäglich, dass dieser oder jener sie erschießen wollte.» Auch Andrzej Stasiuk hatte daheim im...
Der Mann ist tot. Ganz überwiegend jedenfalls. Das Gesicht zerschunden, der Brustkorb starr, Arme und Beine regungslos, liegt er aufgebahrt im blendenden Weiß eines Krankenhauses. Trotzdem: Es gibt so Typen, die können ihre Klappe nicht halten. Und Jaecki Zucker zählt dazu. Da ist es auch egal, dass er tot ist – Zucker muss noch einiges loswerden. Vor allem über...
Ein Drei-Minuten-Auftritt nur: Bernhard Minetti 1989 im Berliner Schiller-Theater als abgründig versoffener Mörder und langjähriger Todeskandidat Bernardin in Niels-Peter Rudolphs Inszenierung von Shakespeares «Maß für Maß»: nacktfüßig und -armig, verbockten, verknautschten, listigen Gesichts mit roter Säufernase, so begegnet er der Zumutung, sich nun endlich...
