Siebzehn und zwei plus drei
Die Förderungsmöglichkeiten für Theaterautoren vervielfältigen sich. Immer mehr Theater schmücken sich mit Autorentheatertagen. Weitere Hochschulen bieten Studiengänge für Szenisches Schreiben an. Die institutionslosen Einzelgänger, ohne die das Theater doch nicht auskommen kann, sollen auch etwas vom öffentlichen Subventionsgeld erhalten. Das Ergebnis ist: mehr Uraufführungen und weniger Vorstellungen pro Uraufführungsinszenierung. Marktanalytisch formuliert: Ein Boom auf der Angebotsseite führt zur Diversifizierung der Produkte, nicht jedoch zur Steigerung der Nachfrage.
Am Düsseldorfer Schauspielhaus wird seit Beginn der Intendanz von Amélie Niermeyer eine neue Variante praktiziert: Im Autorenlabor kommen jedes Jahr sechs Autorinnen und Autoren zusammen und entwickeln unter Anleitung von Thomas Jonigk und im Kontakt mit dem Theaterbetrieb des Schauspielhauses ihre Stücke. Am Ende gibt es als Jury-Preis eine Uraufführung und außerdem einen Publikumspreis.
Zunächst wurde Juliane Kanns Jugendstück «Siebzehn», das im letzten Jahr den Publikumspreis erhalten hatte, im «Jungen Schauspielhaus» uraufgeführt, dann folgte das von der Jury prämierte Stück, Nora Mansmanns «zwei brüder ...
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Bescheidenheit sieht anders aus: Ein brüllend bunter MGM-Löwe auf dem Titel fletscht seine makellosen Eckzähne dem Publikum entgegen. Der Spielzeitprospekt des Zürcher Schauspielhauses ist mit reißerisch noch zurückhaltend beschrieben und legt auch keinen Wert auf lange Haltbarkeit. Papier und Format wie eine Tageszeitung, die Motive im Stil von Bollywood-Plakaten....
In einer Kleinstadt an der ungarisch-rumänischen Grenze ein zweiwöchiges, international besetztes Shakespeare-Festival? Das braucht Wagemut. Die aus Ziegelsteinen im 15. Jahrhundert errichtete Burg von Gyula steht in der flachen Landschaft wie Roman Polanskis «Macbeth»-Schloss und beherbergt seit Jahrzehnten schon ein Theater. Das Städtchen lockt mit seiner...
Vor knapp zehn Jahren erschien das «Postdramatische Theater» von Hans-Thies Lehmann und wurde in kurzer Zeit zum Standardwerk. Bis heute haben einige Studentengenerationen ihr theaterwissenschaftliches Studium mit diesem Buch begonnen und zum Teil auch beendet. Der Reiz des Titels, der zum Schlagwort einer ästhetischen Position geworden ist, ist offensichtlich. Das...
