Sie wollen nur spielen
Kann man euphorischer starten? «Das Theater ist der Ort, wo Wirklichkeit und Fiktion aufeinandertreffen, und es ist der Ort, wo beides seine Fassung verliert in einer heiligen Kollision. Das Theater ist der Berg Harmagedon!» So heißt es in Wolfram Lotz’ «Rede zum unmöglichen Theater», die heftig wettert gegen Theatermacher, die «die Fiktion auf dem Altartrara der Wirklichkeit» opfern.
Denn es «darf nicht die Wirklichkeit die Fiktion bestimmen, sondern die Fiktion muss die Wirklichkeit verändern!» Vorgetragen von der energischen Eva Derleder beim Theaterfest, zwei Wochen vor dem offiziellen Saisonstart, klang das wie ein anspornendes Versprechen für die Intendanz von Peter Spuhler am Badischen Staatstheater Karlsruhe.
Kann man desillusionierter starten? Die ersten gesprochenen Worte in der ersten Premiere fürs neue Repertoire lauten: «Ende. Es geht zu Ende.» Das ist freilich nicht nur ironisches Augenzwinkern: Mit dem Zitat aus Becketts «Endspiel» beginnt die Inszenierung, deren Titel als Slogan über den kommenden fünf Jahren von Spuhlers Intendanz stehen soll: «Du musst dein Leben ändern». Und um dieser Aufforderung nachzukommen, muss tatsächlich erst einmal ein Ende akzeptiert ...
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Theater heute Januar 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 32
von Andreas Jüttner
Vor zwanzig Jahren war Marlene Streeruwitz eine erfolgreiche Dramatikerin. Vor zehn Jahren stellte sie, enttäuscht vom Theaterbetrieb, die Dramenproduktion ein und wurde zu einer erfolgreichen Romanautorin. Im Wiener Schauspielhaus, wo 1994 ihr Stück «Tolmezzo» uraufgeführt worden war, stand die Autorin jetzt nach langer Zeit wieder einmal auf einer Theaterbühne,...
Eine Erinnerung, verschwommene Bilder, die Stimme des sich erinnernden Mediums aus dem Off, während die Vergangenheit in einer von unendlich vielen subjektiven Versionen in verschwimmenden Bildern wieder auflebt. Ein klassischer Filmmoment, der durch die Montage der Bilder und Töne im Kino erfahrbar wird. Und tatsächlich auch der magischste Moment des Mainzer...
Vom Ehrenbreitstein, also von hoch oben aus gesehen, scheint unten am Rheinufer im Großenganzen alles in Ordnung: Der Intendant macht gängiges Programm, sein teuer renoviertes Theater, eine historische Kostbarkeit, ist beliebt in der Stadt. Und zum Start in die neue Saison gibt’s ganz gutbürgerlich und massenkompatibel das große Format, klassisch. Auch die dritte...
