Seminar der Frustrierten
Auch Kathrin Rögglas letztes Stück «Die Beteiligten» befasste sich mit einer ausgefallenen Jobsituation, der sie Verallgemeinerungsfähi-ges (zum Politikgeschäft) ablauschte: Simultandolmetscher. Für Kassel hat sie sich jetzt eine Gruppe von Menschen vorgenommen, die als NGOs, Entwicklungshelfer oder Corporate Internationals im Ausland gearbeitet haben, jetzt aber zurückgekehrt sind. In der Regel nicht freiwillig, sondern weil ihr Vertrag auslief, die alten Eltern Betreuung brauchten, ein Projekt zu Ende war.
Die fingierte Situation ist ein Seminar, das ihnen die Wiedereingliederung erleichtern
soll, die Seminarleiterin Sandra selber eine unwillig Heimgekehrte. Das Publikum wird als schweigende Seminarteilnehmer angenommen; auf der Bühne Knut, ein «Sozialsöldner», der nie zurückkehren möchte; Dirk, der als Agraringenieur beim DED (Deutscher Entwicklungsdienst) in Ecuador war, wo er seine Fau fand. Die Ehe überlebt die Rückkehr nicht, erst nannte seine Fau ihn einen Sesselpuper (er «evaluiert» jetzt Entwicklungsprojekte), dann verschwand sie wieder nach Ecuador. Maren war WHO-Länderdirektorin, betrachtet Entwicklungshilfe nicht moralisch, sondern «systemisch», ist aber jetzt zur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 52
von Barbara Burckhardt
«Abendstunden in Demokratie» – so hieß der Titel eigentlich, der Titel der Neuausgabe von Heinz Berggruens Kolumnen aus der Nachkriegszeit. Es war ein Zitat aus einer Zeitungsanzeige, in der 1946 eine junge Büroangestellte entnazifizierungswilligen Herren Unterricht im Fach Demokratie (oder anderen, ähnlich promiskuitiven Praktiken) anbot. Durch Vertauschung der...
Das muss sie schon selbst entscheiden, die Freie Szene. Anders als die Stadttheater ist sie in den letzten Jahren Teil eines internationalen Netzwerks und eines elaborierten
Kunstdiskurses geworden. Das bringt neue Vergleichsmöglichkeiten, Kriterien, Finanzierungsstrukturen, Herausforderungen mit sich. Eigene lokale Süppchen zu kochen,
das ist selten noch eine...
Man betritt den Theatersaal und ist verstimmt: Da hängt ein riesiger Spiegel und soll uns allen Ernstes «den Spiegel vorhalten»? Geht’s noch? Dieser Eindruck relativiert sich, wenn der riesige, das Publikum spiegelnde Spiegel plötzlich geneigt wird: Der obere Teil droht auf das Publikum zu fallen, wodurch unten auf der Bühne freier, aber enger Raum entsteht, indem...
