Seltsame Pracht
Man liest und hört manchmal Dinge, die einem sofort sehr einleuchten, flüchtige Spontan-Wahrheiten, an die man sich für immer erinnern möchte – und die man in der nächsten Minute aber schon spurlos vergessen hat. Dann vergehen Jahre, und plötzlich, im passendsten oder unpassendsten Moment, erinnert man sich an den flüchtigen Rest eines vor Jahren geführten Gesprächs oder an einen Satz auf einem Zettel an der Wand des Kunstmuseums von Philadephia. Danke, Gedächtnis, denkt man dann, es ist schön, wenn wir zusammenarbeiten.
Jetzt gerade zum Beispiel, wenn die Fragestellung sich um den Stand der Künstler*in in der Gegenwart drehen soll, fällt mir – passender- oder unpassenderweise – ein, wie die damals siebenjährige Nichte des Töpfers Grayson Perry auf die Frage, was denn überhaupt eine Künstler*in sei und was er/sie tue, geantwortet hat: Eine Künstler*in sei jemand, der Sachen bemerke. «What do Artists do? They notice stuff». Kann man einen so seltsamen Beruf noch einfacher und klarer beschreiben? In meinen Augen nicht.
A propos Augen: Von dem amerikanischen Maler Mark Tansey, um den es hier kurz gehen soll, gibt es ein Gemälde, das heißt «The innocent eye test». Eine Gruppe edel und ...
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Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Künstler Positionen, Seite 50
von Thom Luz
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